Es tut dem Namen John Illsley keinen Gefallen, wer bspw. das Album “Glass” als Referenz wählt. Aus den saukalten Achtzigern, wie haarscharf an der Lieblosigkeitsschablone entlang geschnitten. Zu der Zeit gab es ja auch noch die Dire Straits, deren kreativer Zenit allerdings schon deutlich überschritten war. Mark Knopflers Chefboss-Ideen einer starken Karriere nahmen den “Walk Of Life” und zerstörten die Band mutmaßlich von innen heraus. Aus irgendeinem Grunde befand ich selbst schon vorher, dass John Illsley schon immer der unauffällige Bass-Star zwischen all den tollen Musikern war. Hört euch nur das Live-Maß aller Dinge “Alchemy” an, den Stein der Meilen mit vielem, was die Übergruppe Dire Straits bis ca. 1984 zustande brachte.
John Illsley läuft inzwischen auf Wegen der Vergangenheit. “Streets Of Heaven” vor einigen Jahren mag als eigenständiger Lichtblick akzeptabel erscheinen. Und vielleicht wünschte sich niemand weniger als ich, dass “mein” John (irgendwie beinahe erwartbar) irgendwann mal mit Dire Straits-Versionen (“Sultans Of Swing”, “Brothers In Arms”, “Private Investigations”) an den Start gehen würde. Tut er aber. Und ziemlich klasse sogar: “Live In London” ist eines dieser abendfüllenden, warmen, unproblematischen Abhänger-Alben, in denen selbst das ewige “Another Brick In The Wall” noch seinen Platz findet. Hä? Pink Floyd. John Illsley testet sich und seine Hörerschaft kurz aus und findet schnell den Weg zurück. Manchmal schmerzt die Grenze wenn er es mit dem authentischen Gesang der Vorbilder ein ganz klein wenig zu genau nimmt. Aber das passiert ungefähr so selten wie ein Konzert des alten Meisters in Deutschland: Im Downtown Bluesclub am 4. Mai. (kel)
