Adams Greens “erster feuchter Traum” war also eine Prinzessin als Belohnung für ein gewonnenes Mario Brothers-Spiel: “In dem Moment (…) hatte ich meinen ersten Orgasmus im Schlaf”. Well done, Mr. Green. Und danke, lieber Torsten Groß in Berlin für die Bilder in meinem Kopf. Wie jetzt jugendfrei weitermachen mit “Aladdin”? Mit den harten Fakten? Zweiundzwanzig Tracks weist der CD-Player aus, darunter drei Zitate-Brücken aus dem zugehörigen Kinofilm. Der überwiegende Rest verteilt sich auf sechsunddreißig Minuten Miniaturen. Und die zeigen einen bestechenden Adams Green im kolorierten Breitwandformat, der immer noch mit gewollt brüchigen musikalischen Kulissen arbeitet. Nicht ganz ungewöhnlich ebenso bei Adams Green, dass die blaue Stunde in “Fix My Blues” gleich am Anfang steht. Klingt, als hätten die Tindersticks eine frühe Johnny Cash-Platte verschluckt, also gleich schon der erste schöne Traumzustand.
In der letzten Spex-Ausgabe grub eine Plattenrezensentin das folgende schöne, bestimmt nur scheinbar antiquierte Zitat aus: “Das nächste geniale Lied ist …”. Und erntete prompt einen nahrhaften Miniatur-Leserbrief im postmodernen Twitter-Format. Adams Green macht das ähnlich und wirft seine Versatzstücke potentieller Milliardenhits (aka “geniales nächstes Lied”) wie süße Lutscher in die Menge. Zum Glück klebt das nicht, ist der Sultan ein Arschgesicht ohnegleichen und “Aladdin” selbst die Inkarnation des Mr. Green im Malen nach Zahlen. Adams Greens Reime (“Greatest kisser” vs. “Miss her”) schütteln und rütteln sich gewohnt gewollt dazu. So sehr, dass einem das Fingerspitzengefühl zuckt und die >>>-Taste sucht, als wäre “Aladdin” tatsächlich ein knallbuntes Videospiel aus zig mäandernden Kapiteln. Apropos mitspielen: Warpaints Stella Mozgawa am Schlagzeug ist dabei, Rodrigo Amarante von Little Joy & Josiah Steinbrick (u.a. Devendra Banhart). Spitze Schuhe, Mambo & Chinesentanz macht spitzen Platte & märchenhaften Soundtrack. (kel)
Film: 30. April 22 & 24 Uhr im Abaton. Tour im Herbst.
