Jessy Lanza zerliebt sich wie ein Flummi in “It Means I Love You”. Doch da ist schon längst heißes Eis über die Sache gewachsen. Yeasayer schreiben jetzt offenbar Lieder für Stars oder Arcade Fire, Luh reißen brachial die Liebe vom Sockel, Marissa Nadler schmiert Farben auf nocturnale Mauern, Klaus Johann Grobe blicken über die Täler ihrer Schweizer Heimat hinaus und Die Heiterkeit eröffnen den ganzen strubbeligen Reigen auf dem vollends entglittenen Zeitschlitten (“Die Kälte”) in den Tod.
Dass Masha Qrella, zumindest per Titel, den “DJ” geben und als Mittelfinger in freie Fernen weisen darf, stellt der 131. Spex-Heftbeilage “Musik zur Zeit” auch noch ein überaus charmantes Zentrifugium ins Bouquet. 12, in Worten zwölf, Lieder sind das, die im aktuellen Heft kleben. Dystrophien überall, ist ja der zeitlose # dort in Berlin. Nur: Wo andere Sammlungen ihre lieblose Auswahl gar nicht erst zu kaschieren suchen, muss man dem Zeremonienmeister (wird er nicht gerne hören) Daniel Gerhardt anraten, es mal mit Lotto zu probieren. So viel Richtiges hat der gute Mann aus dem Falschen destilliert. Ist mir in zwanzig Jahren Musik lesen & hören niemals passiert, dass nicht ein einziger Track Durchfallqualitäten besitzt. Geile Scheiße. Wie viele der Bands in Kürze nach Hamburg kommen, das erfahrt ihr übrigens im Konzertkalender gleich hier nebenan. (kel)
