Die ersten Töne gehen schon unter die Haut. Wie ein warmes Empfangskomitee wird man hier von einem Orchester begrüßt und wundert sich darüber, wer dieser Jan Sievers ist. Damals noch ruhig und eher schmusig unterwegs, trumpft der Herr mit seinem “Neue Heimat” Gewand ganz schön auf. Kein Wunder bei den Ansprüchen, die er live erkennen lässt und auch beim erfolgreichen Crowdfunding nicht verborgen blieben. Jan Sievers hat ein Teil seines Lebens verworfen, sich auf den Weg gemacht und seine “Neue Heimat”, die heute frisch als Album veröffentlicht wurde, gefunden. Schon beim ersten Titel “Spreng meine Brücken” wird klar, mit dem Letzten hat das nicht viel zu tun.
“Dein Fels”, ist der einzige Song, der stark an “Fortsetzung folgt” vom ersten Album “Abgeliebt” erinnert. Der Kontext mag ein anderer sein, aber dieses pure Gefühl, welches die großartige Melodie, mit der unergründlichen Tiefe, in den Schatten stellt, berührt auf ähnliche Weise.
Ein alter Schuh ist für Konzertgänger “Neben dir liegen”, den Jan Sievers dem neuen Album angezogen hat. Da werden gern schon mal die Tränendrüsen angeregt. Das ehrliche Eingestehen von Schwäche und die Authentizität machen diesen Song zu einem sehr wertvollen.
“Ich bin zu müde, um zu kämpfen und viel zu stolz es zuzugeben / Mach mir Gedanken ohne Ende und kann so viel doch nicht verstehen / Und dann kommst du und siehst mich gespannt mit deinen großen Augen an / Denn auf der Bühne deines Lebens, soll ich den großen Helden geben, einfach mal eben / In deinem Kopf stellst du dir vor, wie ich für uns die Welt besiege”
sein, wenn auch Schwächen auf einem Album nicht verborgen bleiben. Demnach hat auch “Neue Heimat” zwei einzubüßen, “Breaking News” sowie “Cola und Popcorn”. Beide Songs haben sicherlich eine schöne Geschichte und sind den wichtigsten Menschen gewidmet, das hat Jan Sievers spätestens beim Pre Release Konzert klar dargestellt und seine Kreativität in allen Ehren, aber diese textlichen Kompositionen wirken etwas zu über ambitioniert und können nicht wirklich überzeugen. Abgesehen vom Text hat zumindest “Breaking News” einen ziemlich genialen Sound, vor allem die Streicher sind dabei natürlich wieder ein Traum, wie im ganzen Album. Jan Sievers seine Stimme allerdings ist und bleibt stark und eindringlich und die anderen Titel sind damit keineswegs zu vergleichen, “Oben”, “Amerika”, “Keine Zeit” – es hört nicht auf an großartigen Kompositionen.Live und auf Platte ein unfassbar schönes Album, dass sehr viel von Höhen, Tiefen, Punktsetzung und mit den passenden Beats von neuen Wegen spricht, derbe zum Nachdenken anregt und für Freunde der guten deutschen Musik, eine absolute Herzensangelegenheit sein sollte. Top, Top, Top!
Ende Oktober spielt Jan Sievers Support für Silly und ist in Hamburg am 11. November 2016 im Mehr! Theater am Großmarkt live zu sehen. Tickets hierfür gibt es bei der Theaterkasse Schumacher. (tki)