Tokio Hotel HamburgTokio Hotel (15. März im Docks) also nun. „Bill und Tom Kaulitz, Georg Listing und Gustav Schäfer blieben stets selbst die Architekten ihrer Welt.“, klärt die Presseinfo auf, während „Something New“ ganz langsam aus den Boxen gekrochen kommt wie ein viel zu früh begonnener Tag. Ein bisschen erinnert das Intro an „Close Encounters Of The 3rd Kind“. Nur nicht ganz so packend. Willkommen in der „Dream Machine“. Neuerfindung oder gar Reinkarnation? In jedem Fall Album Nummer fünf der ehemaligen Kinderstars.

Insgesamt zehn Songs bilden auf „Dream Machine“ den Status Quo von Tokio Hotel 2017 ab. Man habe sich in nichts reinreden lassen wollen, erklärt die Kaulitz-Posse redundant. Könnt ihr so machen, dann wird‘s halt … so mittel. Keine Frage: „Dream Machine“ hat seine paar zu wenigen Momente im künstlichen Flackerlicht. Und seine prätentiöse Bühne: LED, Neon und Clubs, Lounges, manchmal Fabrikhallen. Oder auf der Metaebene ein riesiger, verlorener, sehr polierter Inner-Space. Bildlich gesehen finden Tokio Hotel oft unter der Erde statt. Also unterirdisch? Hm.

Thematisch bedeutet das, was die vier Jungs einigermaßen glaubhaft bewegen soll, recht viel Stillstand, Zerrissenheit und wenig Zuversicht. Dazu Arrangements und Kompositionen aus dem Eisfach wie klirrende, splitternde Tagebuchseiten. Die wenigen halb aufgetauten Kapitel zerlaufen durch Synthie-Netzwerke oder münden in ganzheitliche Verfremdungsmuster. Das alles gleitet so zäh und im steten Stop-Motion-Modus durch die Finger wie frisch lackierter Staub. Apropos: „Stop, Babe“ ist an letzter Position noch die späte erfreuliche Ausnahme und könnte glatt Radio. Hängen bleibt insgesamt aber, außer vielen Kondenswassertröpfchen, nur sehr wenig. (kel)

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