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    Sorte Søer: Die Schwarze Seele des Dänen

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    By Taya on 8. Dezember 2017 Interview, Konzert-Tipps

    In seiner puren Einfachheit zirkuliert seine tiefe kratzige Stimme durch die Prinzenbar. Der kleine Saal wirkt wie für ihn gemacht. Jeder Ton ist förmlich spürbar und betont, dass  Lasse Matthiessen mehr als nur ein Songwriter der großen Masse verkörpert.

    Früher sang der Däne noch im Knabenchor und übte hart um Jazzgitarrist zu werden. Irgendwann trieb die Liebe den Singer Songwriter jedoch nach Berlin. Die Beziehung ist vorbei, Lasse Matthiessen ist in der Hauptstadt geblieben und pendelt seitdem zwischen zwei Städten. Wie das funktioniert erzählte er uns:

    Früher wolltest du Jazzgitarist werden. Wie kamst du davon ab und zu der Entscheidung als Singer-Songwriter eine Musikkarriere zu starten?
    Um Jazzgitarrist zu werden übte ich lange jeden Tag fünf Stunden. Als ich gleichzeitig Konzerte gab, wurde mir der Unterschied zwischen dem Schwierigkeitsgrad der Jazzmusik und der Einfachheit meiner eigenen Songs bewusster. Lieber wollte ich aber singen als nur der Gitarrist zu sein, das passte viel besser zu mir.

    Der Liebe wegen bist du nach Berlin gezogen. Seitdem wohnst du dort und in deiner Heimat Kopenhagen. Wie lebt es sich in zwei Städten?
    In beiden Städten habe ich eine Wohnung. In Berlin spiele ich aber mehr Musik als in Kopenhagen. Dänemark ist eher der Ort an dem ich Songs schreibe oder mich entspanne. Mal bin ich ein oder zwei Monate in der einen und dann wieder in der anderen Stadt.

    Diesmal ist auch der dänische Song “Sorte Sí¸er” auf deiner EP gelandet. Wieso ist deine Muttersprache so selten in deiner Musik vertreten?
    Textmäßig schreibe ich viel auf dänisch und deutsch. Ich lese auch viel auf deutsch, z.B. Thomas Mann. Manchmal höre ich Gesprächen zu und denke mir, eigentlich ist das eine richtig schöne Konversation, die ins Englische übersetzt was her macht. “Sorte Sí¸er” ist ein einfacher Text, der Schwarze Seele bedeutet. Anfangs haben wir den als Skizze aufgenommen, später kam Schlagzeug dazu und wir stellten fest, dass es vom Gesang her auf dänisch besser passt, gerade weil es sonst zu einfach klingen würde.

    In Paris hast du auch viel Zeit verbracht und den Titelsong der EP, ”When We Collided”, geschrieben. Was hatte noch Einfluss auf deine neue Platte?
    Ich hatte Lust noch mit einem neuen Album bis nächstes Jahr zu warten, weil ich mit den anderen Songs noch intensiver arbeiten möchte.

    Deine Songs entstehen im Alltag, zwischen Träumen und deinem Morgenkaffee, die du dann als Idee in deinem Handy fest hältst. Wie darf man sich das vorstellen?
    Das sind ganz viele! (Lasse scrollt direkt im Handy) Manche Songs sind lediglich überarbeitete Varianten. Für mich ist das eine Art der Professionalität, etwas festzuhalten, wenn es kommt. Für Menschen um mich herum kann das auch ätzend sein. Meine Freunde wissen das aber schon. Unterwegs kann es passieren, dass ich einen Einfall habe und eben eine halbe Stunde weg bin.

    Gibt es Grenzen in deiner Musik? 
    Im Endeffekt kann ich das nicht steuern, sondern muss es einfach machen wie es kommt. So wie in “Sorte Sí¸er”. Ich habe mir ganz genau vorgenommen den Song auf englisch zu schreiben und jetzt fühlt er sich auf dänisch richtig an. Offenheit ist wichtig.

    Überdenkst du deine eigene Arbeit?
    Klar, ich bin sehr kritisch mit meinem Gesang. Bei den Aufnahmen kann es schon mal bis zu 50 Aufnahmen kommen. Ich bin vom Knabenchor Gesang geprägt. Viele Fehler höre ich aber auch als Einziger.

    Du lässt die Geschichte hinter “Seven Ravens” mit Absicht offen. Was steckt dahinter?
    Kunst oder Musik kann man schnell tot besprechen. Ich möchte nicht jemanden vorgeben, dass er sich traurig, etc. fühlen soll. Mir ist wichtig, dass jeder selbst entscheidet, wie er die Geschichte fühlt, die ich singe. Umso mehr ich die Texte definiere, desto weniger Spielraum gebe ich dem Ganzen. Viele der Geschichten enthalten deshalb vor allem Bilder von Orten oder Beziehungen und einen textlichen Rahmen, mit dem ich die Geschichte nur beschreibe und sie ein wenig offen lasse. In ”When We Collided” bleibt z.B. offen, warum es zwischen den Beiden nicht klar ist, obwohl es klar sein sollte. Das Leben ist eben auch immer voll von Widersprüchen.

    Früher hast du viel experimentiert, eher komplizierte und vielleicht zu durchdachte Songs geschrieben. Woher kam die Wende deine Musik “einfacher” zu gestalten?
    Auf der Bühne spürte ich diese Songs einfach nicht mehr. Das sind aber welche, die unveröffentlicht sind und sich im Laufe der Zeit noch ändern. In einfacheren Songs mache ich mir weniger Gedanken über die Komplexität der Texte oder Akkorde, so ist mehr Platz für meine eigenen Emotionen, die ich dann rüber bringen kann.

    Wie anstrengend ist es mit dir zusammen Musik zu produzieren? Bist du eher der Perfektionist oder lässt du dir hier und da auch mal reinreden?
    Es gibt viele Dinge, die ich genau auf diese Art und Weise möchte und da kann man nicht wirklich mit mir diskutieren. Manchmal muss es eben blau und nicht grün sein. Nicht irgendein blau, sondern genau das! In manchen Situationen gibt es aber schon die Möglichkeit, dass ich mich beeinflussen lasse.

     

    Interview: Tanja Kilian

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