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„Dozwesche isch – nur relativ schachmatt“

Der Unterarm endet in schwarzer Schrift auf (sch)weißem Frottee kurz vor dem Handgelenk. Emporgereckt in die Luft der Achtziger Jahre. „Verdamp lang her“ klingt im ausgedehnten Intro auch heute noch, als hätten BAP live regelmäßig an der dysfunktionalen Klatsch-Rhythmusmaschine Mensch schier verzweifeln müssen. Aber so war das damals eben. Gab ja noch keine Smartphones und die Fingerspitzen lagen direkt auf der Musik. Zum Glück.

Was waren das also für Zeiten als Zorro noch sei „Z“ in den Schnee pisste, Kölsch mehr als ein viel zu dünnes Bier und sowohl Hamburg als auch die Domstadt ernsthaft Erstligareif waren? Nun, in der Tat solche, die schon zu Beginn der Achtziger Lieder wie „Kristallnaach“ dringend auf die Tagesordnung setzen lassen mussten. Apropos müssen alle mit: Für BAP-Konzerte mussten manche Eltern mehr als drei ausführliche Stunden auf ihre sich politisch und anderweitig gegenseitig aufklärenden Heranwachsenden warten. Zugaben und Botschaften auf BAP-Konzerten waren gefühlt noch richtige, ziemlich authentische Ereignisse.

Über dreißig Jahre später weiß so einer wie Niedecken immer noch: „Man darf bei politischen Inhalten die Poesie nie vergessen. Es nützt nichts, Parteitagsbeschlüsse oder Gewerkschaftsprogramme zu vertonen. Wenn die Poesie fehlt, bringt das gar nichts.“ und wünscht Glück. Die heutigen „Wolfgang Niedeckens BAP“, deren Besetzung schon längst ohne Charaktere wie einen Klaus „Major“ Heuser auskommen muss, haben mit ihrer frischen Bläsersektion und einer Anne de Wolff an Geige, Cello und Akkordeon ja trotzdem ein paar geschmacksichere, pointierte und sicherlich poetische Elemente zu bieten. 9. Juni | Stadtpark (kel)