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Album der Woche: Father John Misty

„Sun is rising“ lauten die ersten drei gewichtigen Worte auf „God’s Favorite Customer“. Die später abschließende Klammer hält sich vor der nächsten Nacht jedoch vielleicht Hintertürchen in der Dämmerung offen: „Why not me? Why not you? Why not now?“. Der Tag zwischen alldem könnte dann entschleunigter kaum sein. Die Denkerstirn Father John Mistys befiehlt Zukunftsfähigkeit zum subjektiv denkbar und persönlich fühlbar schlechtesten Zeitpunkt. Bedeutet leises Shoegazing, nur beinahe ausgeprägt theatralische Balladen und gefühlt diverse Zwiegespräche mit den Sandmännern und Körnerfrauen dieses Planeten.

Manchmal, zum Beispiel in „Hangout At The Gallows“ könnte Easy Listening die Macht übernommen haben, wäre da nicht dieses Piano als Gegenspieler im Weg. In „Mr. Tillman“ hilft ein Regenvorhang aus und erst „Just Dumb Enough To Try“ holt so richtig zum Versuch aus, der latenten Verzweiflung so etwas wie Windenergie abzugewinnen. So geht das alles mehr oder weniger guten Willens voran. Wird „God’s Favorite Customer“ zur November-Platte im Juni. Eine, die es mühelos mit balladesken Klassikern der späten Siebziger aufnehmen kann. Aber auch eine, die sich „on the road“ anfühlt, wie einst Jackson Browne bezeichnenderweise auf „Running On Empty“. Die in „Date Night“ die Beach Boys im maximal verzerrenden Rückspiegel betrachtet und immer wieder emotionale Zwischenräume besetzt.

Eine, über deren erhabenes Songwriting mal gar keine Zweifel bestehen, die im Grunde Orchestergröße hat, vielleicht sogar den einen oder anderen Robbie Williams-Moment. Und eine, die während der Protagonist mit dem Kopf in den grauen Wolken und Beinen in Gummistiefeln an seiner Windjacken fummelt, weil der Reißverschluss mal wieder hakt. Und der trotzdem noch ein fröhliches Pfeifen über die spröde-nassen Lippen bekommt. Eine, der man Textzeilen wie „Goodbye, little Songbird“ nicht verzeiht, sondern verdankt. Weil dem verherzschmerzten Vater mit „God’s Favorite Customer“ nicht weniger als das nächste kleine Meisterwerk aus den Fingerspitzen geronnen ist. Eines, das ohne Auslaufrille übrigens eigentlich gar nicht existieren sollte.  (kel)

Gucken:  9. November | Rolling Stone Weekender
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