Es ist nur eine EP, es sind nur fünf Lieder. Aber die? Haben es in sich, die sind ganz schön super! Indie trifft Grunge-Ballade, Alternative mit Rock N Roll – und obendrauf jeder ein bisschen anders. Stark Komma sehr. Ripe & Ruin bestehen aus Gordon Domnick, Florian Kaninck und Jannis Balzer, St. Pauli ist ihre Heimat, “Breaking Circles” ihre neue EP, die Ende Januar über Dock 7 Records erschien. Am 5. April spielen Ripe & Ruin im Molotow, Gordon, Sänger der Band, die man kennen muss, stand uns Rede und Antwort.

Wie lange gibt es euch und wieso spielt ihr das, was ihr spielt?
In der jetzigen Konstellation gibt es uns seit ungefähr uwei Jahren. Zusammen Musik machen wir allerdings schon etwas länger. Wir haben viel rumprobiert, waren mal zu fünft, mal mit Keys, mal mit einem zweiten Gitarristen. Am Ende sind nur wir drei und der Stil, den wir spielen übrig geblieben.

Was muss man sonst über euch wissen und Fans welcher anderen Bands können sich das Weiterlesen jetzt sparen?
Vielleicht können Leute, die kein Fan von Bands generell sind, sich an diesem Punkt ausklinken. Für alle Freunde von Musik, die man noch mit den Händen macht und nicht am Computer zusammenbaut, ist jetzt weiterlesen angesagt. Das ist einer der Punkte, die wir uns ziemlich groß auf die Fahne schreiben. Alles was zu hören ist, können wir tatsächlich spielen. Eigentlich traurig, dass man das heute schon fast dazu sagen muss.

Wieso veröffentlicht ihr lieber zwei EPs, als am Ende ein Album draus zu machen?
Als wir die erste EP veröffentlicht haben, hatten wir schlicht und einfach nicht mehr Material. Damals gab es uns grade ein halbes Jahr und wir hatten erst eine Hand voll Songs fertig. Als dann der sehr überraschende Erfolg eintrat haben wir uns entschieden, dass wir schnell wieder releasen wollen, um die grade erst gewonnene Hörerschaft bei Laune zu halten. Jetzt, wo zwei EPs draußen sind, nehmen wir uns die Zeit und arbeiten an unserem ersten Album. Wenn alles nach Plan läuft, gibt es Ende des Jahres wieder neues Material von uns.

Warum ist die Trio-Besetzung ideal für euch?
Wir arbeiten, seit wir nur noch zu dritt sind, ungefähr doppelt so schnell wie vorher. Eigentlich logisch, dass man zu dritt schneller auf einen Nenner kommt als zu fünft. Es erleichtert einfach alles. Im Auto ist mehr Platz, weniger Equipment, das geschleppt werden muss, mehr Spielraum bei Gagenverhandlungen. Grade letzteres ist für eine junge Band von Vorteil. Abgesehen davon haben Florian und Gordon beide eine Schaltzentrale vor den Füßen, die genug Lärm für zehn macht.

Wie wohl fühlt ihr euch als Band in Hamburg, was würdet ihr gerne ändern und was findet ihr so richtig toll an und in der (Musik-)Stadt?
Hamburg St. Pauli ist für eine junge Rockband vermutlich einer der besten Orte weltweit. Es ist dreckig, laut und riecht von Zeit zu Zeit etwas streng. Vom Penner, der in seiner eigenen Kotze liegt bis zum frisch gewaschenen Lamborghini sind es oft weniger als ein paar Meter. Zum Schreiben braucht man Inspiration und Eindrücke. Hamburg versorgt uns ganz gut damit. Allerdings würden wir uns wünschen, dass sich die Stadt auch als Musikstadt wahrnimmt und zwar abseits des klassischen Bereichs. Jetzt kommt wieder das alte Elbphilharmonie-Thema, aber wenn Hamburg das Geld hat für 750 Millionen Euro Statussymbole zu bauen, auf der anderen Seite aber kleine Clubs schließen müssen, könnten wir kotzen. Förderung für junge Bands, bezahlbare und vor allem erreichbare Proberäume sowie die Förderung der Clubszene sind Dinge, die momentan gar nicht oder nicht ausreichend stattfinden.

Ripe & Ruin live – was dürfen wir erwarten?
Dynamik. Wir legen viel Wert auf Abwechslung. Abseits davon natürlich laute Gitarren, knurrige Bässe und ein zorniges Schlagzeug. Wir sind meistens nach dem zweiten oder dritten Song nass geschwitzt. Tickets holen, selbst überzeugen!

Mit wem möchtet ihr unbedingt mal auf Tour gehen und warum?
Es gibt momentan viele gute Rockbands, aber unter den all time favorites sind es vermutlich die Foo Fighters, die bei uns die Liste anführen. Geile Band, geile Mucke, bleiben sich seit Jahren treu. Hier geht’s noch um die Musik! Zu nennen wären vielleicht noch Biffy Clyro, die Rival Sons und Royal Blood.

Stellt Euch vor, beim nächsten Auftritt spielt ein berühmter Musiker einen eurer Songs zusammen mit euch auf der Bühne. Wer wäre es und für welchen Song?
Naja Dave Grohl natürlich. Am besten für alle.

Vor ziemlich genau einem Jahr erschien eure erste Single „Clarity“ – was war seitdem das Tollste, was passiert ist?
Es sind seitdem eigentlich nur noch tolle Dinge passiert. Aber ich glaube das, was uns am meisten berührt hat,war Fanpost aus den USA. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ein junges Pärchen, das momentan durch eine schwierige Zeit geht, hat unsere Musik entdeckt (in diesem Fall auch “Clarity”) und uns geschrieben, dass wir ihnen neue Kraft gegeben haben. Das sind Momente, die abseits von Business, tollen Konzerten und verkauften Platten stehen und mit Geld nicht zu bezahlen sind.

Und auf was hättet ihr gut verzichten können?
Stau auf der A1.

Das größte Kompliment, das man euch machen könnte lautet wie?
Unverwechselbarer Sound. Aber sowas braucht Zeit. Wir arbeiten dran.

Was muss man tun, um aus der Band zu fliegen?
Das zeitliche segnen.

Welches Rock’n’Roll Klischee wollt ihr unbedingt noch erfüllen (bevor ihr an eurer Kotze nach einer Überdosis erstickt)?
Einmal vor so vielen Menschen spielen, dass man nicht mehr sagen kann; wie viele es sind. Wir sprechen so ab 50.000 aufwärts.

Wie soll es jetzt mit euch weitergehen? Was sind eure Ziele?
Wir gehen Ende März auf unsere erste eigene Deutschland-Tour und schreiben nebenbei weiter am Album. Im Sommer gehen wir dann ins Studio und nehmen auf. Nebenbei sind wir natürlich noch auf einigen Festivals unterwegs. Ende des Jahres gibt es dann noch eine Herbst-Tour, mit erstem neuem Material. 2020 peilen wir mit dem Album im Gepäck die großen Festivals an. Bleibt also spannend.

Interview: Mathias Frank

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