Zu unhandlich für Punks, zu rau und knorrig für die Nerds aus Progrockhausen. Zwei von unzähligen Perspektiven, die in der Welt dort draußen existieren. In diesem Fall aus dem nahen und offiziellen Umfeld der Norweger. Und man möchte angesichts dieser indirekten Verneinungen fast glücklich vor sich selbst knien. Denn wenn Motorpsycho schon für die beiden zitierten nahen Genres nicht so passgenau abliefern, wie soll es denn dann allen anderen gehen? Nun: Exakt an dieser Stelle nimmt der Wahnsinn einmal mehr seinen Lauf.

„The Crucible“ folgt also auf „The Tower“ und erledigt seinen Job in drei Kapiteln: „Psychotzar“, „Lux Aeterna“ und der Titeltrack. Macht vierzig Minuten Motorpsychodelia-Tauchgang in der Besetzung Hans Magnus Ryan, Bent Sæther und Tomas Järmyr. Vielleicht muss man sich die geneigte Motorpsycho-Albumproduktion ähnlich vorstellen, als stünde einer vor der Lebensaufgabe, getrocknetes skandinavisches Laub zu einem schwergewichtigen Kunstwerk in mehr als nur drei Dimensionen zu formen. Im Dunkeln, ohne Licht und am besten auch noch durchsetzt von lebendigem Kleinstgetier. In jedem Fall in steter Bewegung, die aber längst nicht ein Vorwärts bedeutet, sondern sich vielmehr asynchron in alle Himmelsrichtungen ausbreitet. Und auf Netflix.

Grunger, Stoner und Postrocker haben sich schon alle an ihnen abgearbeitet, von Punks und Proggern war eingangs die Rede. Inzwischen feiert ihr Label Stickman Records fünfundzwanzig Jahre Daseinsberechtigung. Für Motorpsycho und ihre offenbar unstillbaren Quellen könnte man glatt befürchten, dass fünfhundertzwanzig Jahre nicht ausreichen. 16. Mai | Markthalle | concert-news präsentiert (kel)

PS: Das Album bekommt ihr bei den feinen Menschen von finestvinyl.de 

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