Black Friday, Black Week, was auch immer. Wir haben es überlebt und das ist das Zeichen dafür, dass der November Geschichte ist. Statt dem Kaufrausch zu verfallen, konsumierten wir – wie immer – fleißig allerhand Musikalisches:

*** Alyona Alyona (5.11., Hafenklang) Nachdem Alyona Alyona bereits auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival den Anchor Award einheimsen konnte, waren die Erwartungen entsprechend groß, was der ukrainische Hip Hop Act der Stunde an diesem Abend im Hafenklang wohl abliefern würde. Und sie wurden erfüllt: Die 28-jährige liefert in Begleitung einer nicht minder wortgewaltigen Backup-Rapperin
eine hochexplosive Show ab, die besonders jene im Publikum überzeugen, die alle Texte mitsingen konnten. Ja, auf ukrainisch! Absolut weggefegt von dieser Präsenz beten wir ein weiteres Mal das wunderbare Booking vom Hafenklang an und geloben, an unseren ukrainisch-Skills zu feilen. (dar) *** Half•Alive (5.11., Knust) Bereits der Support-Act APRE hat das Publikum im proppevollen Knust mit seinem etwas aus der Zeit gefallenem Alternative Rock komplett auf seiner Seite. Der Abend kann also nur gut werden. In der Tat: Die Jungs von Half•Alive zeigen mit einer technisch astreinen Show, dass sie mehr können als kultige Musikvideos abliefern und holen von Zeit zu Zeit Ausdruckstänzer auf die Bühne, die sich elegant zu ihrem extrem tanzbaren Indie-Pop bewegen. Sehr überraschend, sehr überragend! (dar) *** Thrice & Refused (5.11., Große Freiheit 36) Manch Festival würde für ein Headliner-Doppel wie dieses mächtig gut stehen. Noch besser natürlich, wenn erst die schwedischen Hardcore-Giganten eine gigantisch intensive Show in der ausverkauften Freiheit zocken und danach die unbeschreiblichen Thrice unbeschreibliche Atmosphären erzeugten. Sagen wir es mal ganz objektiv und ohne nur den Hauch einer Übertreibung: besser geht es nicht! (mf)

*** Paul Smith (13.11., Molotow) Nennt mir einen charismatischeren Musiker der heutigen Zeit! Smith charmeurt sich durch den Abend, seine Keyboarderin feiert jeden Song mit und das Publikum ist dankbar. Einen Maximo Park-Song gibt’s auch, aber das wäre nicht mal nötig gewesen, denn live sind Smith’s Solo-Sachen noch viel toller als auf Platte. (eh) *** The Lumineers (13.11., Sporthalle) Einen besseren Support als die Mighty Oaks hätte es gar nicht geben dürfen. The Lumineers brachten in der Sporthalle so eine tolle Stimmung, dass jeder der an diesem Abend da war, die Show so richtig genießen konnte. Diese Band ist einfach nur großartig. (fs) *** Movits! (22.11., Uebel & Gefährlich) Zweimal Huch: Movits! haben in diesem Jahr bereits zwei Alben veröffentlicht? Und: Wieso sind sie plötzlich auf den Geschmack von Autotune-Pop gekommen? Ihre eigenwillige Mixtur aus schwedischem Rap und Swing steht doch eigentlich wunderbar für sich selbst. Leicht unangenehme Gefühle machen sich breit, als an diesem Abend tatsächlich so einiges vom Band läuft und man dem Saxofonisten nicht immer abnimmt, dass er wirklich live spielt. Die extreme Bühnenpräsenz der drei Schweden entschädigen dann aber doch, sodass selbst die neuen Songs live zünden, sich stimmig in das Gesamtwerk fügen und am Ende auch den gesamten Ballsaal in Wallung bringen. Die drei haben Spaß an der Sache und das merkt man ihnen an. (dar) ***Mando Diao (22.11., Sporthalle) Auf die Fresse Mando Diao. Keineswegs so exklusiv intim wie zuletzt im Bahnhof Pauli, aber der Stimmungspegel erreichte nach nur wenigen Songs schon sein Maximum, das nicht eine Sekunde abriss. Gewohnt starke Performance, klar so kennt man die Schweden. Zum 20-jährigen gab es aber auch noch das ein oder andere Highlight, wie „The Band“, „Mr Moon“ und „Shake“. Und natürlich hat Björn Dixgård den Abend auch ganz nebenbei mit vielen Shackereien und nackter Haut begleitet. Einzig allein der Abschluss hätte ausgeklügelter und klarer gestaltet sein können. Die Euphorie wollte einfach nicht abreißen, das Licht blieb aus und die Bühne selbst nach minutenlang bebender Halle leer. Sorry, aber so richtig haben wir den Abgang nicht verstanden. (tki)

*** Die Höchste Eisenbahn (24.11., Docks) Auch wenn das erste Album das beste bleibt, die Höchste Eisenbahn ist live immer sehenswert. Die vier spielen sich zwischen den Songs die Bälle zu und wir wollen jetzt alle noch mal “Gattaca” sehen. Spätestens bei “Schau in den Lauf, Hase” war auch jedem einzelnen Besucher wieder klar, wieso man immer wieder auf die Konzerte der Eisenbahn gehen wird – da braucht’s auch keine roten Luftballons. (eh) *** Aldous Harding (26.11., Knust) Das Charisma, das die neuseeländische Songwriterin bereits in ihren durchgestylten Musikvideos zur Schau stellt, scheint während ihrer Live-Performance im ausverkauften Knust förmlich zu greifen: Unterstützt von einer vornehm zurückhaltenden Backup-Band gibt sich Aldous Harding auf der Bühne rätselhaft, apathisch, irgendwie neben der Spur – fokussiert, wie sie es selbst nennt – und beweist dabei über eine Stunde lang, dass es gar nicht viele Worte braucht, um mit verträumten Hymnen einen kompletten Saal zu hypnotisieren. (dar) *** Temples (28.11., Molotow) Schon krass, wie viele Hits die Band nach mittlerweile drei Alben hat und dabei qualitativ konstant stabil bleibt. Wie versiert die Briten auf ihrer psychdelischen Zeitreise in die 1960er Jahre geworden sind, wird besonders beim letzten Song deutlich, der durch ausuferndes Gejamme beinahe die Zehnminutenmarke knackt. Ein Rätsel bleibt indes, ob die Band wohl wegen der Verlegung aus dem größeren Gruenspan etwas angekotzt wirken, oder ob es einfach zu ihrer Attitüde gehört. (dar)

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