Mit was drin: Magnum

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Titel. Cover. Stil. Alles schreit: Hardrock! Fantasy! Kommt ein Ritter um die Ecke, das Schloss brennt, ein Zwerg rettet den Riesen. Oder so ähnlich. Und alle so: och nö, mach das mal weg. Genau! Doch dann: nö. Denn ja, Hardrock, opulenter, melodischer Hardrock. Von Magnum, den Urgesteinen. Gegründet 1972, über 20 Studio-Alben in der Diskografie (eines davon übrigens wurde von Queen-Schlagzeuger Roger Taylor produziert), neun (!) Live-Album daneben, Shows mit Judas Priest und Ozzy Osbourne in der Biografie. Und dabei ganz sicher nicht die Fantasy-Rocker, die musikalischen Rollenspieler, ihr wisst schon. Nein. Hier ist was: drin.

“The Serpent Rings” heißt das neue Album, das vor wenigen Tagen das Licht der Welt erblickte. Elf Songs sind drauf, elf Songs bieten musikalisch das, was man erwartet. Sich wünscht. Balladen und Bombast, Orchesterund trockenen Groove, episch, klassisch, Magnum. Und tatsächlich nicht schlecht, aber schlicht unterhaltsam. Doch da ist manchmal eben mehr, da geht es um das Jetzt, das Schlechte in echt, die Welt hier und heute. Über den Song “Man” sagt Sänger Tony Clarkin zum Beispiel: “Vieles von dem, was die Menschheit unserer Erde antut, basiert auf Gier und Unersättlichkeit. Wir zerstören die Natur, um möglichst noch mehr Geld zu scheffeln. Zu welchen negativen Auswirkungen das führt, sehen wir zurzeit stärker als jemals zuvor.” Und über die Protagonisten in “Madman Or Messiah” sagt er: „Solchen Gurus muss man mit großer Vorsicht begegnen, denn in Wirklichkeit werden ihre Anhänger verarscht und im schlimmsten Fall sogar zu zweifelhaften Handlungen verführt, wie der Fall Charles Manson in den späten 1960ern zeigt.“ Auch ein – und jetzt ohne Zitat … – “The Archway Of Tears” mit Zeilen wie “Oh don’t be afraid of the truth | Oh don’t be afraid | There’s no excuse” lassen nicht unbedingt auf ausgedachte Welten schließen.

Gleichzeitig können und möchten Magnum, übrigens neuerdings mit Bassist Dennis Ward (u.a. Pink Cream 69) am Start, auch anders, fantatisch(er) im wahrsten Sinne des Wortes, den Titeltrack zum Beispiel beschreiben sie als “unheimliches und leicht gruseliges Märchen”. Muss auch sein. Live: 22. April | Große Freiheit 36 (mf)

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