Der Dosenöffner „It‘s Getting Kinda Complex These Days“ sollte einem repetitive Vorwarnung genug sein: Ghostpoet is in tha House und wer war nochmal gleich Tricky? Ok, doofer Quervergleich aber in Punkto Dunkelheit und Spaßbremsspuren können beide sicherlich eine Menge voneinander, nun, abschauen, wenn man denn die eigene Hand vor Augen erkennen könnte. Aber zurück zu „I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“, dem hoch dystrophischen Album des Briten Obaro Ejimiwe, das heute veröffentlicht wird. Man mag nicht von „erscheinen“ sprechen, so tiefergelegt ist das alles hier in fast jeder Hinsicht.

Derweil stellt der Ghostpoet-Video-Vorgeschmack „Concrete Pony“ insbesondere  eines unter Beweis: Das Leben ist kein Hof für diese Tiere. Wer sich das aus Gründen nicht anschauen mag, badet seine Hände in Heizöl und erzielt eine ähnliche Wirkung beim Anhören. Trotzdem wirkt Ejimiwes allgegenwärtige Sprechgesangs-Trägheit aufreizend lässig. Und die Melancholie hat hier nichts mit nichts zu tun. Dafür sorgen auch „Rats In A Sack“, „This Trainwreck Of A Life“, „Nowhere To Hide Now“ und „When Mouths Collide“ im Quartett, die in der eigenen Überschrift schon fast eine vollständige Ü-18-Geschichte antriggern.

Wenn jedenfalls Hass und Liebe jemals einen Ort zur Kernschmelze benötigten, „I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“ käme dem auf Albumlänge schon sehr, sehr nahe. Mit der Aufforderung „Crawl over me. You just crawl over me“ endet dieser anti-pittoreske Gegenentwurf zu einem Sonntagsausflug aus dem Bilderbuch. Kein Problem, wo doch sowieso alles rund um Obaro Ejimiwe schon längst schwerelos auf den Boden gepresst verharrt. Ghostpoet | 18. September | Reeperbahn Festival 2020 (kel)

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