Nur wenige Schritte auf Jon Flemming Olsens Album „Mann auf dem Seil“ sind zurückgelegt, schon versinkt das Standbein in knietiefer Melancholie wie in einer Tränke voller Matsch. Die knapp vier Minuten „Wenn du wiederkommst“ gilt es durchzustehen in der Erkenntnis, dass das Leben sehr wohl fortschreitet, die Sache mit dem „zurück“ aber nicht immer so recht funktionieren will. Also lieber die Zukunft? Wer sein Tagesmotto „Es wird etwas geschehen“ schon immer mal als beseelten Welthit erleben wollte, wird zumindest mit nicht weniger als einem veritablem Ohrwurm aus maximal optimistischer Draufsicht bedient.

Kurzgeschichte für Kurzgeschichte entspinnt sich auf „Mann auf dem Seil“ zwischen dem Nazi von unten, Booten, Bildern, verschworenen Wahrheitsgehalten, nie eingehenden Rückrufen und mehr oder weniger wilden Tieren. Hinter Jon Flemming Olsens Beobachtungen erhebt sich dann und wann ein Streicherquartett. Manchmal liegt aber auch einfach nur Bleischwere auf und in den Liedern herum, die so gar nicht mit launigen Silvesteraufgüssen korreliert. Nur eines scheint immer und immer wieder in Jon Flemming Olsens Grundgesetzen des Alltags verankert zu sein: Jeder Gedanke an den Untergang verbietet sich, weil irgendwo dann doch (wenn auch vorzugsweise bestens versteckt) ein mindestens fahler Silberstreif lauert.

Dass „Mann auf dem Seil“ ausgerechnet unmittelbar vor dem ersten Novembertag erschien geht nach den dreizehn Kapiteln kaum als Zufall durch. Und wenn auch die erfüllte Liebe in den mitunter kantigen Erzählungen nicht immer Widerhall findet: Seine Leidenschaft für das fein ziselierte Detail lodert in jedem Fall und kommt erfreulicherweise weitgehend ohne unangenehme Klischees oder Killerreime aus. Auch nicht im dickflüssigsten Erdboden.

Laufend aktualisierte Konzertpläne: https://www.jfolsen.de/auftritte (kel)

Share.

Comments are closed.