Was war das denn bitte? Irgendwo zwischen „Guten Morgen Sulingen“ und „Ich habe mir die Seele aus dem Gesicht gebrüllt“ liegt dieses Reload Festival 2024. Und was soll man sagen? Es war warm, es war laut, es war voll, und irgendwie war es auch ein bisschen wie Urlaub. Nur mit deutlich mehr Geschrei.
Korn, Amon Amarth, Heaven Shall Burn – Drei Gründe für drei Nackenschmerzen
Korn am Freitag. Jonathan Davis mit Dreadlocks wie aus dem Bilderbuch und dem Bass, der klingt wie eine Waschmaschine mit Weltschmerz. “Freak on a Leash”? Natürlich. “Blind”? Aber hallo. Der Moshpit sah aus wie ein Staubsaugerbeutel mit Wutproblemen.
Amon Amarth am Samstag. So viel Feuer, so viel Nebel, so viele Leute mit Hörnerhelmen, dass man dachte: Entweder ist das ein Festival oder ein unfassbar unkoordiniertes LARP-Treffen. “Twilight of the Thunder God” kam, sah und walzte alles nieder. Gegrunzt wurde auch – laut, lang und nordisch.
Heaven Shall Burn? Ja. Sonntagabend. Wut, Haltung, Endzeit. Also der Song. Aber auch das Gefühl. Sehr viele Menschen schrien, sehr viele Menschen schwitzten. Die Band tat, was sie immer tut – alles. Und das sehr gut. „Black Tears“ war kollektive Emotion mit Doublebass.
Der Rest? Komplett eskaliert. Und das ist ein Kompliment.
Gutalax. 9:30 Uhr morgens. Eine tschechische Band in Kitteln und mit Kloschüsseln auf der Bühne. Das Gegrunze klang wie ein Frosch im Stau. Und es war… herrlich. Wer’s verpasst hat: Ausschlafen war es nicht wert. Glaubt ihr nicht? seht selbst … Video Gutalax
Spiritbox: Diese Mischung aus atmosphärischem Metalcore und „warte, da ist noch ein Breakdown“ hat gut reingehauen. Sängerin Courtney LaPlante? Die hat live mehr Stimmfarben als andere Festivals Bands auf dem Billing.
Behemoth: Feuer, Leder, Masken, Satan. Man kennt das. Man feiert es. Auch 2024.
Blind Guardian und Dragonforce haben so schnell gespielt, dass sich der Boden leicht mitgedreht hat. Und irgendwo hat einer „Valinor!“ geschrien, obwohl das gar nicht dran war.
Millencolin? Gute Laune, Bierduschen, Skatepunk-Nostalgie – fast schon unangenehm fröhlich zwischen all dem Blut und Gebrüll.
Knorkator: Wahrscheinlich der einzige Mensch auf diesem Planeten, der in silberner Unterwäsche auf einem Metal-Festival stehen kann und damit komplett durchkommt. Und „Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett“ wurde mit voller Inbrunst geschrien. Deutschland 2024, alles ist möglich.
Stimmung? Sulingen, du kleines Festivalparadies
Wetter: Festivalfreundlich.
Getränkepreise: okayisch.
Bierausschank: Beck’s. Muss man nicht mögen. Hat aber alle paar Stunden funktioniert wie ein Reset-Knopf fürs Hirn. Immerhin kühl. Irgendwie.
Stimmung: Eskalation bei Tag, Umarmung bei Nacht.
Toiletten: überraschend erträglich.
Security: wach, freundlich, schwitzend.
Die Plaza Stage brummte abseits des Main-Action-Feuerwerks, und auch wenn man mal keine Ahnung hatte, welche Band da gerade lärmte: irgendwer hat garantiert geschrien und dabei sein Bier verschüttet.
Reload Festival 2025 – Wieder zuhause. Und zwar mit Ansage.
Kaum ist der Staub von 2024 weggefegt (na gut, zertrampelt), da schmeißt Sulingen schon die nächsten Brocken in den Ring. Das Reload Festival 2025 findet vom 14. bis 16. August statt und trägt – Überraschung – erneut den Namen „Welcome Home“. Und wenn das Line-up so weitergeht, bauen wir uns da bald wirklich ein Zelt aus Gewohnheit. Oder aus Gitarrensaiten. Je nachdem, was zuerst reißt.
Denn: Das hier ist kein müder Warmmacher. Das hier ist ein Brett.
Machine Head – Gojira – I Prevail. Drei Gründe, den Nacken jetzt schon zu schonen.
Machine Head kommen. Und man hört die Riffs quasi schon durchs Kalenderblatt. Robb Flynn in Wutform? Geht immer. “Davidian”, “Halo”, “Imperium” – man kann davon ausgehen, dass spätestens beim zweiten Song die ersten Circle Pits ihr eigenes Ökosystem entwickeln.
Gojira? Ja, wirklich. Diese Band spielt live, als würden sie gleichzeitig Erdbeben auslösen und Lava channeln. Technisch brillant, unfassbar wuchtig, und mit so viel Bühne im Sound, dass man automatisch gerade stehen will. Oder niederknien. Beides okay.
I Prevail liefern dann den modernen Metalcore-Abriss für die etwas jüngeren Schleuderhälse. Breakdown? Check. Singalong? Auch. Die Amerikaner bringen ordentlich Energie mit – und klingen dabei manchmal, als würden sie gleich explodieren. Das wird nicht leise.
Und auch der Rest liest sich nicht wie ein Lückenfüller, sondern wie ein Festival für Leute mit Musikgeschmack und Trittfestigkeit:
Donots, Ministry,The Halo Effect, Bleed From Within, Fit For A King, Hanabie., Kataklysm, Counterparts, Shadow Of Intent, Finntroll, Kublai Kahn TX, Spite, Crypta, Attila, Downset, Shoreline– und die Frog Bog Dosenband, für den einen Moment, in dem wirklich alles egal ist.
Fazit: Sulingen ruft wieder. Und wenn das erst die erste Runde war, sollten wir jetzt schon anfangen, uns auf den Muskelkater zu freuen.
Reload Festival 2025 – wir kommen heim. Wieder. Laut.
(ds)
