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    Copyright: Jesse Morrow

    SYML: „Songs sind wie Tagebucheinträge – Momentaufnahmen von dem, was kürzlich passiert ist.”

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    By Taya on 6. April 2025 Interview, Konzert-Tipps

    Brian Fennell alias SYML ist kein Künstler, der das Leben als bloßen Ist-Zustand akzeptiert. Seine Musik war schon immer ein Ort der Reflexion – über Verlust, Erinnerung, Selbstfindung. Doch mit seinem neuen Album „Nobody Lives Here“ öffnet Brian erneut die Tür zu einer Welt, in der er all diese Themen auf eine noch intimere Ebene hebt: organisch, nah am Leben – als würde die Musik selbst atmen. Es ist ein stilles, ehrliches und intuitives Album – getragen von einer neuen künstlerischen Klarheit. Kein künstlerischer Umbruch mit Paukenschlag – eher ein leises Wachsen, getragen von Erfahrung, Demut und einer unerschütterlichen Nähe zum Menschsein.

    Im Interview erzählt SYML, wie sich seine künstlerische Perspektive in den letzten Jahren verändert hat – nicht rasant, sondern stetig, wachsend mit jeder Erfahrung. Er spricht über das Älterwerden, über das Gebrochene im menschlichen Dasein und die paradoxe Schönheit, die darin liegt. „Wir sehnen uns nach der Vergangenheit“, sagt er, „und verlieren dabei den Blick für das, was kommt.“ Seine Lieder suchen genau diesen Zwischenraum, dieses fragile Jetzt. Sie sind weniger traurig – auch wenn der Schmerz ein treuer Begleiter bleibt – stattdessen oft tröstlich, leise hoffnungsvoll. „Nobody Lives Here“ ist kein Album, das Antworten gibt. Es stellt Fragen. Es will nicht belehren, sondern begleiten. Vielleicht liegt darin seine Stärke: dass es Platz lässt – für Erinnerungen, für Trauer, für neue Bedeutungen. Und für all die stillen Momente, in denen das Leben sich am deutlichsten zeigt.

    Am 07. Februar 2026 kommt SYML mit seinem neuen Album ins Hamburger Docks.

    Wie würdest du dein eigenes Wachstum als Künstler im Rückblick auf die letzten 5 Jahre beschreiben?
    Langsam und stetig. Manchmal fühlt es sich an, als hätte ich erst gestern angefangen, meine Songs zu teilen – und dann gibt es Tage, an denen mir bewusst wird, wie weit meine Musik schon gereist ist, und das ist wirklich überwältigend.

    Wie grenzt sich „Nobody Lives Here“ von deinen vorherigen Alben ab?
    Dieses Album fühlt sich sehr greifbar und intim an. Die meisten Stücke sind organisch entstanden, mit nur sehr wenig elektronischen Elementen – das bringt die menschliche, verletzliche Seite der Songs besonders gut zur Geltung. Es ist außerdem nicht übermäßig traurig – was für mich tatsächlich eine kleine Veränderung darstellt.

    Das Album ist von der Überzeugung getragen, dass das Leben ein Widerspruch ist. Wie definierst du diesen Widerspruch und wie wirkt dieser sich auf dein Album aus?
    Im Kern geht es um das Vergehen der Zeit – und um den Schmerz und die Schönheit, die damit einhergehen. Der Widerspruch liegt darin, dass wir uns ständig auf die Zukunft freuen und darauf hoffen, was unser Leben noch werden kann. Doch um dorthin zu gelangen, werden wir älter und sehen zu, wie das Leben an uns vorbeizieht. Gleichzeitig sehnen wir uns nach der Vergangenheit und verlieren dabei den Blick für das, was kommt. Diese Gegensätze bleiben bestehen – es sei denn, wir versuchen bewusst, im Hier und Jetzt zu bleiben. Alle Songs handeln auf ihre Weise genau von diesem Balanceakt.

    Viele deiner Songs beschäftigen sich mit Verlust, Trauer und der Suche nach sich selbst – deine Musik stellt quasi eine Art Selbsttherapie dar. Welche Abstände braucht es für dich, um deine Erfahrungen in Musik zu verwandeln und dafür den richtigen Zugang zu dir selbst zu haben?
    Eigentlich brauche ich gar nicht so viel Abstand. Manchmal kommt die Perspektive natürlich erst später – aber Musik kann auch mitten im Geschehen therapeutisch wirken. Es hängt ganz davon ab, was gerade passiert.

    Gab es einen Moment, der deine Herangehensweise an das Songwriting nachhaltig verändert hat – vielleicht sogar einen Song, der dich beim Schreiben überrascht hat, weil er eine Richtung eingeschlagen hat, die du selbst nicht vorhersehen konntest?
    Je älter ich werde, desto klarer und reduzierter wird mein Songwriting. Die Herausforderung besteht darin, sich nicht zu sehr in Komfortzonen einzurichten – und das sieht bei jedem Song, bei jedem Album anders aus. Es ist ein ständiger Prozess des Wandels.

    Wenn du ein Musikstück schreiben könntest, das die Essenz eines bestimmten Moments in deinem Leben einfängt, welcher Moment wäre das und warum?
    Vermutlich die Geburt meiner Kinder. Ich bin mir sicher, dass dieses Erlebnis viele meiner Werke auf unterbewusster Ebene beeinflusst hat. Für all das wunderschöne Chaos in so einem Moment Raum zu schaffen – das inspiriert mich sehr.

    Du sagtest „Es hat etwas Schönes und Merkwürdiges, sich das Ende der Welt vorzustellen.“. Wie stellst du dir das Ende der Welt vor?
    Das Ende der Welt wäre für mich der Verlust von allem und jedem, der mir wichtig ist. Es ist ein tragischer Gedanke – aber auch unausweichlich. Und gerade deshalb verbindet er uns alle als Menschen. Diese Vorstellung hilft mir, im Moment zu bleiben.

    In „Heartbreakdown“ singst du „forgiveness is the child of love and hate“ – Wie lernt man diesen Part zu akzeptieren und zu vergeben – sich selbst und auch anderen?
    Wir müssen zuerst uns selbst vergeben, bevor wir anderen vergeben können. Das ist extrem schwer zu finden – und es existiert irgendwo dazwischen, wenn wir uns selbst lieben und gleichzeitig hassen. Vergebung ist Übungssache. Sie sieht jedes Mal anders aus und man weiß nie genau, wann man sie brauchen wird.

    Die meisten deiner Songs sind sad songs – von tiefen Emotionen geprägt. Wie gelingt es dir, dich mit diesen emotionalen Ebenen auseinanderzusetzen und gleichzeitig ein glückliches, geordnetes Familienleben zu führen? Wie findest du in diesem Gegensatz – dem Tanz zwischen Licht und Schatten, eine Balance?
    Ich glaube, die Dunkelheit ist in irgendeiner Form immer in uns allen vorhanden. Es ist wichtig, sie anzuerkennen – damit sie uns nicht überrollt. Melancholische Musik zu machen ist für mich eine Art Therapie. Es ist auch das, was ich in Musik, Büchern und Filmen selbst suche. Wahrscheinlich ist es genau das, was mir im Alltag Struktur ermöglicht. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich.

    Deine Musik gleicht einer Zeitkapsel – auf der Suche nach der eigenen Identität bleibt deine Musik nach wie vor ein Spiegelbild deiner persönlichen Reise und deiner fortwährenden Auseinandersetzung mit deiner Vergangenheit. Inwiefern glaubst du, dass diese Suche eine unendliche Geschichte ist?
    Ich glaube, diese Suche wird bis zu meinem letzten Tag andauern. Songs sind wie Tagebucheinträge – Momentaufnahmen von dem, was kürzlich passiert ist. Bis jetzt war es für mich sehr hilfreich, sie zu teilen – und ich habe das große Glück, dass es auch mein Beruf ist.

    Interview: Tanja Kilian
    Foto: Jesse Morrow

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