Das Reeperbahnfestival war in der Stadt. Drumherum stand das Konzertleben aber auch nicht still. Anbei die Impressionen aus der concert-news Redaktion:
*** Hamburg Harbour Festival (2.9., Knust) Los ging es entspannt auf dem Lattenplatz mit Tim Jaacks und Beachtown Exile. Ersterer erinnert an Spaceman Spiff und man wird sicher noch öfter von ihm hören. Letztere haben sich erst ganz frisch gegründet und sind musikalisch schwer einzuordnen, mal bluesig, mal funky, mal rockig, eben exotisch wie der Name verspricht. Im Saal ging es weiter mit Polyana Felbel, die nach längerer Abstinenz mal wieder live gespielt hat und sicher den ein oder anderen mit ihrer herzlich-sympathischen Art und ihren umwerfenden Stimme überrascht hat. Zu Rue Royale muss man nicht viel sagen – großartige Band, großartiger Auftritt. Mit den Isbells stand danach eine weitere Herzensband auf der Bühne. Die verträumten Folksongs passten perfekt zum Set von Rue Royale. Als krönenden Abschluss wussten einmal mehr Tim Neuhaus & The Cabinet zu begeistern. Sympathische Jungs, tolle Songauswahl, am Ende noch akustisch vom Bühnenrand, was will man mehr. (dr)
*** Jennifer Rostock (6.9., Knust) Auf die Fresse! Aber so richtig mit Schmackes. Ganz die Rostock halt. An der kleinen Clubtour verzweifelten so einige, die Chance auf Tickets war in nur wenigen Minuten, zumindest in Hamburg bis auf die letzte Ecke ausverkauft. Eng, heiß und mit viel Haut bebte das Knust und selten war Jennifer Rostock näher am Publikum dran. Bei “Deiche” saß Jennifer am Bühnenrand, ließ ihre Beine ins Publikum hängen und hielt mit dem ein oder anderen auch mal Händchen. Ein geiler Abend, im wahrsten Sinne des Wortes. Einziges Manko: Zu wenig neue Songs! Zum Abschluss gab es für die erste Reihe noch Schnaps und den Abschiedskuss direkt auf den Mund. Mehr Nähe geht wohl kaum. (tki)
*** John Coffey (7.9., Logo) Gefühlt ist gerade jede zweite Band auf Abschiedstour. So auch John Coffey. Für mich absolut nicht nachvollziehbar. Aber so richtig haben sie es aus den kleinen Clubs nicht geschafft. Dabei sind die Niederländer live eine echte Granate. So auch an diesem Abend. Das Logo war pickepacke voll und es tropfte von der Decke. Die Stimmung kochte. Publikum und Band peitschten sich gegenseitig hoch und strahlten anschließend glücklich und zufrieden. Ein Abschied vom Feinsten. Dennoch schade. (cR)
*** Preis für Popkultur (9.9., Tempodrom, Berlin) Eine ausgesprochen launige Veranstaltung, dieser erste Preis für Popkultur, der hoffentlich irgendwann einmal den Echo ersetzen wird. Im Gegensatz dazu entscheidet hier nämlich eine vielköpfige Jury über die Preisvergabe und nicht reine Verkaufszahlen, womit auch Newcomer eine Chance haben, mehr Gehör zu finden. Moderiert von Bernd Begemann gerät der Abend schnell zur kurzweilgen Unterhaltung, flankiert von Live-Auftritten mit jeweils mehreren Songs von Isolation Berlin, Casper (mit Dagobert & Blixa Bargeld als Gäste), Boy, Bosse und Drangsal. Letzterer teilt das Publikum gleich zu Beginn, als er den Preis für den besten Newcomer einstreicht und mit den Worten “Hauptsache nicht Annenmaykantereit” kommentiert. Hier ganz klar Team Drangsal, aber das mag jeder anders sehen. Selbstredend war nicht alles gut bei dieser ersten Verleihung. Ob z.B. ein Jan Böhmermann in ein und derselben Kategorie gleich dreimal nominiert sein muss, oder die schon genannten Annenmaykantereit in insgesamt fünf Kategorien? Kann man drüber diskutieren. Auch über die Tatsache, dass das doch sehr junge Publikum mit Moderator Begemann ebenso wenig anfangen konnte, wie mit Laudator und Mute Records-Gründer Daniel Miller, der in einer sehr ausschweifenden und persönlichen Laudatio den “Preis für das Lebenswerk” an Kraftwerk verlieh. Egal, besser, als die große Blendershow aka Echo, war dieser Abend allemal und nach Hamburg gingen mehrere Preise, der wichtigste dabei für “Gelebte Popkultur” an den Golden Pudel Club. Alle Gewinner könnt ihr übrigens hier nachlesen. (nsc)
*** Jan Sievers (18.9., Club 20457) Mit neuem Sound und neuer Band gab Jan Sievers sein Pre Release Konzert, in dem Fehler ausdrücklich Teil des Abends sein sollten und waren. Authentisch und ehrlich, so wie sein Album “Neue Heimat”, das er erstmals präsentierte. Nah am Publikum dran, wurde auch die ein oder andere Geschichte hinter den Songs erklärt. Etwas schüchtern war er aber schon, das wurde im Vergleich zu den älteren Songs “Die Suche” oder “Sie ist wie April” deutlich, bei denen seine typisch kräftige Stimme zum Einsatz kam, die bei neueren (noch) eher zurückhaltender war. Das tat der Begeisterung aber keinen Abbruch, immerhin erfordern neue Wege Mut. (tki)
*** B
enne (20.9., Knust) Schon die ersten Töne des neuen Albums waren im Vergleich zum ersten enttäuschend. Die Hoffnung, dass Benne live überzeugt hielt leider auch nicht lange an. Keine Frage, es war ein schönes Konzert, nur ohne jeglichen Moment des Mitreißens. Und gerade bei Live Musik und einem so guten Musiker ist das natürlich schade. Beeindruckend war jedoch, dass der Sound diesmal um einiges kräftiger als gewöhnlich war. (tki)
*** OLSSON (23.9., MS Tonne) Wer zum Teufel ist OLSSON? Na der etwas andere Schwede! Der aus dem neuen Vodafone TV Spot. Und genau in diesem Rahmen präsentierte OLSSON beim exklusiven Bootskonzert seinen Song “Hold on”, sowie weitere noch unveröffentlichte Titel direkt auf dem Schiffsdeck der MS Tonne, die währenddessen durch den Hafen schipperte. Extrovertiert und absurd auf den Punkt, absolut geiler Typ! Ein absolut gelungener Erholungstrip während des Reeperbahnfestivals. (tki)
*** INTRO Intim (24.9., Superbude ASTRA Rockstarsuite) Intim, absolut intim. Die Betten des Hotelzimmers lediglich mit den passenden Holzplatten verdeckt und schon durften Warhaus, Gurr, Konni Kass und FIL BO RIVA auf dem wackeligen Boden im Rahmen des Reeperbahnfestivals das Hotelzimmer in ein Wohnzimmerkonzert verwandeln. Warhaus eröffneten den Nachmittag und auch die bunt zusammengestellte Band um Konni Kass erzeugten Wärme und tanzbare Moves. Nur Gurr waren gewöhnungsbedürftig und etwas zu überambitioniert mit ihrem Stil. Der Herr des Abends war FIL BO RIVA, der sorgte schon bei den ersten Tönen für derbe Gänsehaut. Die Instrumente waren da nebensächlich, wo auch immer diese Stimme entstanden ist, sie sorgt für Sprachlosigkeit und höchsten Genuss! (tki)
*** The Bouncing Souls & The Menzingers (28.9., Markthalle) Mittwoch in der Markthalle war das Motto “east coast”. The Bouncing Souls aus New Jersey brachten ihre Buddies The Menzingers aus Philadelphia und den ebenfalls aus Philly stammenden Roger Harvey mit. Volle Packung also für Freunde des gepflegten Ostküsten-Punk-Rocks. Alle hatten neues Material im Gepäck, alle hatten richtig Bock und so wurde dies ein runder Abend. Die Halle war nicht bis unter’s Dach ausverkauft, aber alle Anwesenden machten Stimmung als ob. Das war ein Abend für’s Herz. Einfach richtig gut! (cR)
