Perspektivwechsel. Mit wem mussten sich The Notwist nicht schon (nicht nur) bei uns messen (lassen). Quasi als Mutter aller Referenz-Latten. Oder als Alibi-Querpass, wenn das mit der Schublade wieder nicht so gut hinhaute. Vielleicht sogar als Carlo Thränhardts unter den wachsamen Augen der Indiezei. “Mit Acher und Kracher” gilt noch heute als ziemlich bester anzunehmender Überschriftenunfall aus den Protokollen solcher Zeiten, als Foren noch der Meinungsbildung dienten. Und heute? Stolpern welche darüber, dass Notwist das The abhandengekommen sei. Im wahren Leben bei Facebook. Und morgen? Bringen The Notwist ein Album heraus. Das ist neu und live. Und natürlich weit oben über den Dingen.
Entstanden ist “Superheroes, Ghostvillains + Stuff” quasi aus dem Stand. An einem einzigen Abend in Leipzig des Dezembers 2015. Der zweite von drei Konzertabenden, denn der ist immer mit Abstand der beste. Auch im ehemaligen Lichtspielhaus (nicht Kino), dem UT Connewitz. Andi Haberl, Max Punktezahl, Karl Ivar Refseth und Cico Beck zentrifugieren. Acher I & II halten das Reagenzglas zwischen vier Fingerspitzen und die Menschen davor bekommen sehr frühe “Close To The Glass” und “Pick Up The Phone”.
Weil dann wieder Platz ist im Labor. Schall und Rausch. Später ist sogar eine knappe Viertelstunde Flugzeit für den “Pilot”en, für das mittige “Run Run Run” und das finale “Gone Gone Gone”, für fast ausschließlich Material aus den Alben “Neon Golden”, “The Devil, You + Me” und “Close To The Glass”. Weil es bekanntlich herrlich blöd ist, diese Konzentration parallel abzuspielen, funktioniert “Superheroes, Ghostvillains + Stuff” als grenzesotherisches Planschbecken hintereinander geordnet ungeordneter Wellen bis zum Siedepunkt. Einmal vor ein paar Jahren sah man The Notwist nach der Show aus dem Backstage flüchten und auf dem Platz Pommes bestellen. Geht halt runter wie Öl. Auch als Vinyl. 14. Februar, Große Freiheit 36 (kel)
