Vor wenigen Tagen erst erschien “Nirgendwo Angekommen”, das neue Album der wunderbaren Band Arrested Denial aus Hamburg. Ein Album voller Punk von der Straße, mit Bläsern, Offbeats, Chören und Melodien, mit Tempo, Groove und Leidenschaft. Eine Band, die man kennen muss. Am 10. Januar 2026 zocken Arrested Denial im Golden Salon des Hafenklangs. Wir wollten vorher mal was wissen.
Wer seid ihr und wieso spielt ihr das, was ihr spielt?
Daniel: Wir sind Arrested Denial, kommen aus Hamburg und spielen Streetpunk – manchmal mit Offbeat, ab und zu mit Trompete. Wir machen in erster Linie Musik, weil wir gerne auf der Bühne stehen. Unser Stil ist vor allem extrem geprägt von unserem Songwriter Valentin. Er hat seine ganz eigene Art, Songs aufzubauen. Fokus immer auf Melodien, wenig klassisches Gitarren-Riffing, aber dafür viele Schichten und in den Details ist einiges los. Das hat einen hohen Wiedererkennungswert. Sagen nicht nur wir.
Was muss man sonst über euch wissen und Fans welcher anderen Bands können sich das Weiterlesen jetzt sparen?
Valentin: Es darf gerne jeder weiterlesen, Musik sollte ja keine Konkurrenzveranstaltung sein. Geschmäcker sind nun mal verschieden und das ist doch auch gut so, oder? Es gibt musikalisch in fast allen Genres immer wieder was cooles Neues zu entdecken. Über uns selbst sollte man in diesem Zusammenhang eventuell wissen, dass wir uns klar antifaschistisch verorten. Bisschen traurig, dass man das heutzutage wieder so deutlich in den Vordergrund stellen muss, aber wir achten als Band schon sehr klar darauf, wo wir stattfinden und mit wem wir uns die Bühne teilen.
Was müssen wir über eure neue Platte wissen?
Daniel: Es war absolut nicht geplant, dass wir für die neue Platte „Nirgendwo angekommen“ acht Jahre brauchen. Arbeitstitel war mal „Album 2021“. Aber nach dem intensiven Touren zur letzten Platte „Frei.Tal“ hat es eine ganze Zeit gebraucht, bis alles wieder in Gang kam. Wir machen die Band ja nebenbei als Hobby. Und als es dann losging, wollte das Leben immer mal wieder nicht so, wie wir das wollten. Wir hatten echt zwischenzeitlich Sorge, dass es mit der Platte gar nichts mehr wird. Aber zum Glück ist sie jetzt ja seit Anfang Dezember raus.
Wie kam es zu den Features von Tex/Slime und Steff/Alarmsignal?
Daniel: Tex hat uns alle mit seiner Stimme beeindruckt, vor allem auch seine Sologeschichten. Wir haben ihn dann einfach mal angeschrieben. Er war dann relativ schnell bereit mitzumachen, weil ihm der Song „Mauern“ und der Text gefielen. Valentin ist zu ihm gefahren und sie haben die Sachen bei ihm aufgenommen. Ein besonderes Abenteuer war dabei für Valentin, dass Tex seinen eigenen Text entwickelt hat. Normal schreibt Valentin alles selbst. Aber vom Ergebnis sind wir alle begeistert – inklusive Valentin.
Bei Steff war es so, dass Valentin und er sich schon seit ein paar Jahren kannten. Da ging es aber eher ums Reisen und die weite Welt. Valentin war anfangs gar nicht klar, dass Steff auch der Sänger von Alarmsignal ist. Was wir wiederum nicht wussten: Steff ist schon seit der ersten Platte Fan von uns. Daher hat er sich auch sehr gefreut, dass wir ihn wegen Gastgesang angefragt haben. Er war sofort dabei, auch beim Videodreh. Das hat mega Spaß gemacht.
Wie fühlt es sich an, auf Bakraufarfita Records zu sein?
Daniel: Gut. Und anstrengend. Das ist jetzt unser erster Release, den wir so richtig professionell mit Promo-Vorlauf und Singles und so durchziehen und bei dem es auch einen deutschlandweiten Vertrieb für die Platte gibt. Wir hatten gar nicht gedacht, dass das so viel Aufwand ist. Besonders Social Media ist echt nicht so unser Ding, da müssen wir uns immer ein bisschen quälen. Da braucht es ja leider inzwischen eine enorme Taktung, um durchzudringen. Wir freuen uns echt sehr, auf dem Label zu sein. Super angenehme Menschen und machen einen super Job. Das ist wirklich ein großer Schritt nach vorne für uns.
Was dürfen wir live erwarten?
Daniel: Wir haben es ja nach 15 Jahren Bandgeschichte 2024 endlich geschafft, uns mit Pip (früher Sick Leave) einen festen Trompeter zu angeln. Entsprechend ist der Anteil der tanzbaren Trompetensongs live etwas höher als früher, als immer die Leadgitarre die Trompete irgendwie imitieren musste. Aber die Streetpunk-Songs kommen nach wie vor auch nicht zu kurz. Bei denen kann Pip dann schön an der Theke stehen, Bier trinken und uns bepöbeln. Ich würde sagen, das ist alles insgesamt eine gute Mischung. Ach, und ihr solltet ein bisschen Zeit mitbringen für unsere Konzerte. Unser Sänger Valentin redet gern.
Spielt es sich in Hamburg anders als in anderen Städten?
Daniel: Wir kommen ja als Band aus Hamburg. Trotzdem haben wir hier nicht so eine richtig riesige Homebase. Vielleicht, weil wir nix mit der Fußballszene am Hut haben und für Hamburger Punk auch einfach bisschen zu melodiös und gemütlich daherkommen. Hier wird schon gerne mehr gerotzt, daher fallen wir wohl etwas aus dem Rahmen. Konzerte in Hamburg bleiben daher schon immer etwas spannend, da wir nie so genau wissen, was passiert. Konzerte in der Flora sind auch immer was Besonderes. Ich glaube, ich kenne keinen anderen Veranstaltungsort, wo zwischen zwei Songs urplötzlich so vollkommene Stille herrscht. Das kann ganz schön verunsichern. Aber dann labert Valentin halt einfach ein bisschen mehr.
Wie ist eure Verbindung, wie ist euer Verhältnis zu Hamburg? Was liebt ihr hier, was mögt ihr nicht so und was würdet ihr euch wünschen?
Daniel: Wir waren ja so mutig – oder stumpf – und haben auf unsere neue Platte einen Song namens „Hamburg“ gepackt. Der beantwortet das ganz gut. Wir lieben die Underground-Szene mit Bars und Clubs wie Semtex, Molotow und Monkeys oder Lobusch, Hafenklang und Störte. Die Politik der letzten Jahre mit Scholz, Dudde und Andy mit G20 etc. mögen wir dagegen weniger gern – von der Schill-Phase ganz zu schweigen. Und natürlich ist Gentrifizierung ein hartes Problem hier. Bezahlbaren Wohnraum gibt es ja eigentlich nicht mehr. Das ist schon krass, wie sich Hamburg immer mehr zu einer Stadt der Reichen entwickelt, während die Armut gleichzeitig auf der Straße immer sichtbarer wird. Wünschen würden wir uns deswegen deutlich mehr soziale Gerechtigkeit und größere Freiräume für Lärm und Subkultur.
Stellt euch vor, beim nächsten Auftritt spielt ein berühmter Musiker einen eurer Songs zusammen mit euch auf der Bühne. Wer wäre es und für welchen Song?
Daniel: Oh, da hätten wir sicher alle sehr unterschiedliche Ideen, wer das sein könnte. Ich persönlich bin ja riesiger Beatles-Fan. Und mal mit Paul McCartney einen unserer Songs neu zu interpretieren, fände ich extrem reizvoll. Er hat ja in diesem einen Video mit Rick Rubin durchaus bewiesen, dass er auch mit für ihn ungewohnten Tönen wie Death Metal was anfangen kann.
Valentin: Für mich gerne immer irgendwas Unerwartetes. “Nationalisten aller Länder” im Duett mit Herbert Grönemeyer vielleicht? Ich finde ihn ja immer sehr angenehm klar positioniert und solche Songs fehlen doch ein bisschen im Mainstream. Ansonsten, irgendwas melodiöses mit Bob Dylan…?
Das größte Kompliment, das man euch machen könnte, lautet wie?
Daniel: „Ah, ihr macht ja gar keinen Skapunk.“
Valentin: “Halt die Fresse und spiel!”
Interview: Mathias Frank
Foto: Arrested Denial
