Wir wissen nicht genau, wann diese Assoziation wieder verschwindet. Aber “Wir sind vorbei” bohrt, thematisch immer wieder verbranntes Erdreich hinterlassend, schon ganz schön in der eigenen, phlegmatischen Tiefbaustelle. Oder hinter all diesen Fenstern, wo irgendwer gerade wieder mal alleine alleine zurückgelassen wurde. Ist auch Enno Bunger vor nicht langer Zeit passiert und hinterließ Spuren. Im wahrsten Sinne des Wortes sogar bis direkt hinein ins Tonstudio. Und schon muss niemand mehr die Fanta Vier pfeifen oder am Polarkreis Nummer Achtzehn frieren.
Derweil wird die traurige Geschichte um den bösen Dämon namens “Trennungsschmerz” recht antizyklisch erzählt. Zwar öffnet sich “Wir sind vorbei” mit dem scheinbar programmatischen Stück “Blockaden”, nur um diese aber auf der Stelle mit gutem Grund direkt in den viel zu lockeren Boden zu stampfen. Wenn dann nur ein paar Minuten weiter auf dem Weg die pure “Euphorie” ausbricht, der Gedemütigte wie Phönix aus der nasskalten Asche durch jede nächstbeste offene Tür zu neuen Höhenflügen abhebt, scheint ein neuerlicher Absturz unausweichbar wie das Amen in der Kirche.
Fatalistisch wird es manchmal, und irgendwie auch fast freiwillig ein wenig komisch, wenn man sich in den Texten selbst ertappt. Netz und doppelte Böden? Pah. Bodenlose Schönrederei oder retrospektiv fast tragikomische Attacken zwischen Rotz und Wasser. Können. Wir. Alle. Es braucht im akuten Notfall indes noch immer The Cure und “Disintegration” zu doofen Sms-Verschickungen um 04.36 Uhr morgens und einer sich zügig leerenden Flasche Rheinhessen Dornfelder. Vom Rotwein zum roten Faden der Liebe. Für den erst verkaterten, später scheißegalen Morgen und den Trostfick mit der besten Freundin danach aber bitte dringend zu “Wir sind vorbei” greifen.
“Wir sind vorbei”? Wir haben fertig. Mit der Welt und überhaupt. 10. April | Prinzenbar | concert-news präsentiert | (kel)