Was haben Sea+Air mit Whitney Houston, Johann Sebastian Bach und den Scorpions zu tun? Letzterer Name soll hiermit zum ersten und letzten Mal in Verbindung des äußerst musikalischen (Ehe)Paars Eleni und Daniel Benjamin gefallen sein, denn man soll nicht jedem geschriebenen Wort glauben. Die Geschichte mit Whitney Houston ist Tatsache, denn als sie es schafften als Support jener Dame das Publikum zum Schweigen zu bringen, merkten sie, dass allein ihre Musik ausreicht, dass sie sich nicht verstellen mussten, um Menschen und Ohren zu erreichen. Ihr Debüt-Album “My Heart´s Sick Chord” und unser Album der Woche wurde für das in diesem Musikbereich seltene Cembalo geschrieben, wo nun auch die Verbindung zu Johann Sebastian Bach zu finden ist. So entstehen barocke Töne, die aber keinesfalls in schweren Samtgewändern stecken bleiben und unter der zentimenterdicken Puderschicht kaum atmen können. Ganz im Gegenteil.
Eingeleitet wird “My Heart´s Sick Chord” tatsächlich mit diesem sonderbaren Musikinstrument, wodurch man kurzzeitig eine im Reigen tanzende Adelsgesellschaft vor Augen hat. Doch mitnichten hat “Take Me For A Ride” einen Stock verschluckt, kommt eher elegienhaft daher, besticht durch den zweistimmigen Gesang mit einer emotionalen Tiefe und dramatischen Düsterheit, wie man sie in den ersten Stücken Get Well Soons schon mochte. Durch den nicht allzu inflationär eingesetzten Cembalo-Sound gibt es gar keine Gelegenheit, Langeweile aufkommen zu lassen. Eleni und Daniel Benjamin sind nicht nur Multiinstrumentalisten, sondern können diese auch noch gleichzeitig spielen, wie man sich auf ihren zahlreichen Touren mit u.a. Sufjan Stevens, White Stripes, Jose Gonzalez, The Flaming Lips, The Soundtrack Of Our Lives, Woven Hand, John Grant und The Divine Comedy überzeugen konnte und auf ihren kommenden Touren überzeugen kann. Überzeugen kann man sich dann auch, dass die beiden, entgegen ihrer ernsthaften Songs, gern mal zu Scherzen aufgelegt sind und sich selbst nicht so ernst nehmen.
Entstanden sind auf “My Heart’s Sick Chord” nicht nur gefühlvolle Songs sondern gar Hits, Ohrwürmer, die einen mitsummen und –singen lassen. Dabei umspielen sich die düstere Stimme Elenis mit der markanten Benjamins perfekt, wobei letztere manchmal mit ihrem rauen Abgang an Ryan Adams erinnert. Auch wenn das Cembalo einen Hauptcharakter darstellt, flirren hier und da auch melodiöse E-Gitarren-Riffs oder wabern dicke Bässe durch die Lüfte. Mit ihrem wunderbaren Debüt sollte den beiden ihre Flug- und Wasserangst zumindest ein bisschen vergangen sein, denn Sea + Air möchte man gern hören, unterwegs auf Kopfhörern, daheim aus den Boxen des CD-Players UND auf dem alten Walkman, den man im Keller wiedergefunden hat (denn auf ihren Konzerten auch als Kassette erhältlich). Dabei bricht einem selbst ein bisschen das Herz, wenn sie so inbrünstig “I would break my neck for look at you, I would risk everything for a smile, I would cry tide away for you but you don’t care about me.” von sich geben. Und das wird nicht das einzige und letzte Mal sein. Ein schönes herbstiges Herzensbrecher-Album, was dennoch so viel Wärme übrig hat, dass es uns gut durch die Tage bringen wird. (ms)