Schon wieder? Ein Monat rum. Ein Monat mit ganz viel Festival und weniger Club. Aber so ein bisschen waren wir dann doch drinnen und erzählen mal wieder davon.
Alberta Cross (1.7., Molotow) Ob es an dem Montagabend lag? Irgendwie wollten die Songs, vor allem die neuen, nicht so recht zünden. Nett, aber verzichtbar. (dr) *** All That Remains (3.7., Logo) Anders als erwartet. Zu melodisch, zu viel Clean-Gesang, zu wenig Lamb Of God-Faktor. Irgendwie hat die Urgewalt gefehlt. (ds) ***Cat Power (3.7., Große Freiheit 36) Entweder war Dame Marshall krank oder bocklos. Viel zu wenig Ihrer großartig katzigen Stimme zu hören und ein überdrehter Bandmusiker der ihr die Show stehlen wollte. Bitte nächstes Mal wieder Prinzenbar und rehabilitiert. (tk) *** Cat Power (3.7., Große Freiheit 36) Chan Marshall alias Cat Power ist eine der Künstlerinnen, bei der einem das Herz aufgeht. Ihre Songs und Aura sind einfach überwältigend. Emotional, phänomenal und zerbrechlich zugleich. Und leider Gottes glich die Gr. Freiheit an diesem Abend auch eher einem Kummerkasten. Dass es Chan Marshall bereits seit einer Zeit erneut nicht wirklich gut geht, wissen wir nicht erst zuletzt seit der für den Dezember 2012 geplanten und dann abgesagten Deutschlandtour. Ein Häufchen Elend war sie nun. Schluchz. Und man dachte nur, “Wenn es heute nicht geht, dann fühl dich nicht unter Druck gesetzt und sag dieses Konzert ab. Alles ok!” Es ging einem auf jeden Fall sehr nahe zu sehen, welche seelische Last sie bedauerlicherweise immer noch mit sich herum trägt. Dass das Konzert selbst darunter natürlich auch gelitten hat ist dabei überhaupt nicht der Rede wert. Wobei sie sich nach ca. 7-8 Songs dann auch etwas gefestigt zu haben schien und die zuvor brüchige Stimme wieder mehr Halt und Stärke hatte. Am Schluss gab es wie immer Blumen für das Publikum und endlich auch ein großes Lächeln. Erleichterung lag spürbar in der Luft, denn sie hatte das Konzert hinter sich gebracht. Get well soon, Chan! You are “The Greatest”! (kw)
Beady Eye (3.7., Uebel&Gefährlich) Liam is back. Wie immer vermeintlich lustlos, aber immerhin gab es “Shakefist” mit den Fotografen. Mehr Emotion geht wohl nicht für den Ex-Oasis-Frontmann. Selbst “Rock’N’Roll Star” und “Mornining Glory” ließ er sich nicht nehmen. Gallaghers Glanzzeiten sind aber leider schon lange vorbei. (dr) *** Denmantau (5.7., Schulterblatt) Sonne scheint, Eis schmeckt und … oh was klingt da so gut? Denmantau! Hamburgs very own Chili Peppers. Diese Band gewinnt nicht nur Newcomer-Preise, sondern auch Herzen, wenn sie ihre Musik unter Menschen bringen. (ds) *** Chelsea Light Moving (5.7., Westwerk) Thurston Moore in Höchstform, fast erotisches Gitarrensaiten beißen und reißen mitinbegriffen, mehr gibt es auf Kampnagel am 10.08. (mit Yoko Ono). (tk) *** The Gaslight Anthem (6.7., Ringlokschuppen) Tatort Bielefeld. Das gibt’s doch gar nicht? Oh doch, und wie. Und The Gaslight Anthem spielen genau dort nach all den Festivals und kurz vor der Heimreise nach New Jersey endlich mal wieder als Headliner. Draußen knallt die Sonne, drinnen steht die Luft. Das Publikum ist heiß und Brian Fallon & Co liefern. Zwischen “Handwritten” und “The Backseat” liegen ca. 100 Minuten Vollgas, Euphorie, Wahnsinn, beste (Spiel-)Laune. Beim Ramones-Cover ”Bonzo Goes To Bitburg†rasten auch die letzten aus. Schweiß und Bier fließen in Strömen, Becher wirbeln durch die Luft, Jungs und Mädchen crowdsurfen. Satt, glücklich und fiebernd werden wir in die Nacht entlassen. (cR) *** Patti Smith (6.7., Stadtpark) Punkt 19 Uhr wurde begonnen, Patti Smith beschallt und bezirzt die Masse im Sonnenschein mit Snowden als aktuellen Superstar, statt Rock’n Roll Nigger jetzt Rock’ n Roll Snowden. Später Handküsse aus dem Bandbus. (tk) *** Ben Schadow & Pele Caster (10.7., Kleingarten in Stellingen) Gut 45 Zuhörer haben sich im Kleingarten eingefunden, lauschen neuen und alten Songs & Geschichten der beiden verbal- und Anschlag-starken Virtuosen und lassen sich Grillwurst & Bier schmecken. Dazu wird eine etwa 5jährige Besucherin gebeten, die Songs einzuzählen (“Julie, kannst Du auch traurig einzählen?”) und am Ende singen alle ganz Beatle-esque im Chor, ersetzen dabei den Text aber durch verschiedenste Nahrungsmittel (“WurstWurstWurstWurstWurst”). (nsc)
Torpus & The Art Directors (11.7., Blauer Engel, Lübeck) Kein Monat ohne Torpus und auch im Juli gleich zweimal: Zunächst im muggeligen Wohnzimmer des Blauen Engel in Lübeck bei Sauna-esquen Zuständen (“Aufguss, Aufguss!”): Alle Knaller der beiden Torpus-Alben und ein paar neue Songs werden ebenso kredenzt, wie ein Ryan Adams-Cover. Finale mit Posaune, Trompete und allem Pipapo. Und viel Liebe. (nsc) *** Torpus & The Art Directors (13.7., Makrele) Das ultrageheime Geheimkonzert war das wahrscheinlich letzte Heimspiel der Beinahe-Hausband im Fisch, bevor dieser nun tatsächlich bald verkauft werden soll. Gerade diese Abende wird man vermissen, wenn sich Besucher und Band glücklich in den Refrain von “Fall In Love” singen, einfach nicht mehr aufhören wollen und gemeinsam in einer Acapella-Interpretation des Songs enden. Was den Abend aber lange nicht beendete. (nsc) *** Earth, Wind & Fire (18.7., Freilichtbühne Stadtpark) In jeder Hinsicht eine unvergessliche Erfahrung: Ganz große Musiker, ganz große Performance, einfach feinster Soul-Funk-Blues unterm Sommerhimmel. Warum die Crowd zu 90% aus exaltierten Alster-Anrainern im Yachtclub-Outfit bestand, wird vermutlich immer ein Rätsel bleiben. (ds) *** MS MR (20.7., Uebel & Gefährlich) Schnell zufriedenstellendes Publikum trifft auf britische Kurzweiligkeit. MS MR allerdings musikalisch und so weiter absolut sehenswert, tanzbarer Massenhype dauerte exakt 65 Minuten. (tk)*** Strike Anywhere (22.7., Molotow) Während Hamburg den Sommer genießt, trifft sich eine kleine Gruppe guter Menschen im Molotow und feiert eine Hardcore-Party vom Feinsten. Hits am Fließband, eine obersympathische Band (mit Ian von Dead To Me am Schlagzeug) und famose Stimmung von Anfang bis Ende. (mf)
