So oft man in den vergangenen Jahrzehnten von Dieter Meier hörte oder lesen konnte, so gefühlt überrascht kommt die Tatsache um die runde Ecke, dass mit “Out Of Chaos” (VÖ über Staatsakt, 11. April) tatsächlich das erste Soloalbum des Ex-Gelben erscheint. Wie das sein konnte? Egal.
Dass mit Nackt, Ben Lauber (Apparat) und T.Raumschmiere (hier endet das Produzenten-Team), Jazzgeiger Tobias Preisig, Gitarrist Nicolas Rüttimann, dem Pianisten Ephrem Lüchinger und Bad-Seeds-Schlagzeuger Thomas Wydler eine von Fingerspitzen verlesene Edelschar von Handwerkern an den Rohrzangen stand, erklärt schon aber eine gewisse Melodramatik mit Hang zum pathetisch-erzählerischen Arrangement auf “Out Of Chaos”.
Dieter Meier dabei mitunter als etwas schmierige Pop-Ikone zu erklären, entspringt wohl eher nur einem gelegentlichen Gefühl zwischen den zwölf Liedern. Dass Meiers Stimme sich für keinen Moment zurücknimmt, tut den Songs nicht überall gut. Auf “Jimmy”, das ein Versatzstück aus alten Yello-Tagen sein könnte, trifft dieser Umstand nicht zu. Aber wenn der Schweizer sich dem Chanson d’Electro widmet oder die blaue Nachteule gibt, geht der hochemotionalen Dramaqueen Meier auch mal selbst die eigene Chaostheorie durch die Zäune. Und warum klingt eigentlich “Fat Fly” so nach The Boss Hoss auf einem unkontrollierten elektrischen Bullen? Ist “Lazy Night” nicht gar von den sehr frühen Element of Crime inspiriert? Es werden offene Fragen und tolle Momente bleiben nach “Out Of Chaos”. Vielleicht können einige davon ja am 23. Mai im Mojo Club beantwortet werden. Und wenn nicht? Ach, wartet nur auf “Schueffele”. (kel)
