Wenn’s richtig gemacht werden soll, muss man es eben selber machen. Zum ersten Mal haben Blood Red Shoes ein Album komplett vom Recording bis zum Artwork in Eigenregie erschaffen. Deswegen heißt es auch einfach und selbstbewusst “Blood Red Shoes” (VÖ war 3. März 2014). Und diese absolute Autonomie tut Laura-Marie Carter (Gitarre/Gesang) und Steven Ansell (Schlagzeug/Gesang) offensichtlich verdammt gut. Nicht, dass an den drei Vorgänger-Alben irgendetwas falsch gewesen wäre, aber das coole Rock-Duo aus Brighton (UK) schafft es, mit jedem Album noch ein Stückchen besser und… geiler zu werden.
Dieses ebenso profane wie treffende Wort kann man umschreiben mit intensiver, fetter, dreckiger, cooler oder was auch immer einem beim Hören an Attributen in den Sinn kommt. Und das sind irgendwie nur Gute. Wirklich selten kommt es vor, dass einem absolut keine Kritik einfällt, aber so ist es nunmal. “Blood Red Shoes” ist ein ziemlich perfektes Stückchen Rock-Album, geschaffen zum laut Hören und dazu Bewegen. Es ist mal hart, mal gefühlvoll, mal melancholisch, mal fies, mal Vollgas. Und eigentlich wäre auch Track 3 “An Animal” ein wunderbar passender Albumtitel. Zumal der Song mit einem kurzen Sprachsample beginnt, auf dem einer – mutmaßlich Steven – sagt: “Oh man… this is nasty.” Wer sich selbst davon überzeugen will, wie “nasty” das ganze geworden ist, kann auf der Website der Band derzeit noch das ganze Album im Stream probehören.
Entstanden ist das Werk übrigens in Berlin, der derzeitigen Wahlheimat von Laura-Marie und Steven. Zum Thema alles selbst machen: Das Gefühl, ohne Produzent zu arbeiten, kommentierte Laura-Marie im VISIONS Magazin so: “Endlich war keiner mehr da, der mir sagt, dass ich nicht zehn Effektpedale hintereinander schalten kann.” Keine Ahnung, ob sie es getan hat, aber wie auch immer sie ihren Gitarrensound hinbekommt, er ist perfekt. Genau so räudig, roh und leicht retro wie er sein muss, um klarzustellen, was Blood Red Shoes sind: eine irre talentierte Band, die es mit dem Rock’n’Roll ernst meinen und die nicht durch Image-Akrobatik überzeugen, sondern durch britischen Indierock, der einfach nur geil ist. Punkt.
Ach ja, fast vergessen: Am kommenden Samstag, den 12. April könnt Ihr die beiden Hübschen live im Uebel & Gefährlich erleben. Noch gibt es Tickets. UPDATE: Voll ausverkauft. Bäm. (ds)
