Wir sitzen immernoch mit Eberhard Gugel, seit 20 Jahren Betreiber und Miteigentümer des LOGO, an der Bar und er plaudert munter aus dem Nähkästchen. Wer gestern den ersten Teil des Interviews verpasst hat, holt den am besten kurz nach. Und weiter geht’s:

“Theoretisch, ja aber wenn man so viel erlebt, dann hat man das Einzelne nie präsent, wenn man was erzählen soll.”
Deshalb habe ich vorsichtshalber mal die Liste der Band-Historie ausgedruckt, die auf eurer Website zu finden ist. Die Namen inspirieren dich doch bestimmt?
(nimmt das Blatt und liest) “Ach ja, die Britpop Welle. Oasis, Blur, The Verve, die standen hier Mitte der Neunziger alle innerhalb von wenigen Wochen auf der Bühne. Nächstes Mal waren Sie dann in der Arena und dann war der Britpop wieder vorbei. … Oh Mann bei No Doubt brauchten wir eine Sicherheitsabsperrung und Security vor der Bühne. …. Und Poppa Chubby hat sich während der Show mal eben auf der Bühne hingesetzt und nen Apfel geraucht. …Ach klar, Die Kassierer, oh mein Gott, der Sänger hat original vorm Publikum mitten auf die Bühne gekackt. Immerhin war er so nett, vorher ne Zeitung auszubreiten.
Na da kommen ja doch einige Erinnerungen zurück.
In der Tat, und mir fiel gerade noch was ein (legt das Blatt weg). Wenn man denkt, man hat jetzt echt alles gesehen hier, dann hast du da eine Band – ich komm gerade nicht mehr auf den Namen – die müssen nach der Show noch Zeit totschlagen, weil der Busfahrer das Ende seiner Lenkzeit-Pause abwarten muss. Und was machen sie? Spielen Strip-Kicker. Es hat nicht lange gedauert bis alle fast nackt waren und einer nur noch mit ner Socke über dem Schniedel dastand. Sehr zur Belustigung der letzten handvoll Gäste, die noch da waren.
Na, euer Slogan “Rock’n’Roll since 1974” suggeriert ja auch dass hier schon einiges passiert ist. Anderes Thema: Die Säule. Die legendäre Deckenstütze, die mitten auf der Bühne steht, die zum Logo gehört wie der Rock’n’Roll.
(lacht) Allerdings, ohne sie wäre das LOGO nicht das LOGO!
Hat sie denn intern einen Namen bekommen in den ganzen Jahren?
(grinsend) Nein, sie heißt einfach Säule. Und die ist sehr wichtig, denn die hält nicht nur das Dach oben, sondern mitunter auch Künstler. Ich erinnere mich an diverse Sänger, die so breit waren, die wären einfach umgefallen, wenn sie sich nicht an der Säule hätten abstützen können. Ritchard Ashcroft wiederum hat sie benutzt um sich daran für die Mädels zu räkeln und mein alter Kumpel Mitch Ryder [Anm. d. Red.: ein amerikanischer Blues-Veteran] hat sich daran den Fuß gebrochen, weil er im Suff versucht hat, sie einfach wegzutreten.
Und als es einmal Überlegungen gab, ob wir umziehen, da habe ich mir schon gedacht, dass ich im neuen Laden eine hydraulische Säule in die Bühne einbauen lasse. Und immer wenn einer sagt: “Gott sei Dank ist da keine Säule mehr”, lasse ich sie hochfahren. (Lacht wieder)
Apropos umziehen: Es gab doch mal Gerüchte vor nicht langer Zeit, dass das Logo-Gebäude abgerissen werden soll. Ist dein Club vom Molotow-Schicksal bedroht?
Nein, Abriss war nie im Gespräch. Klar gibt es Investoren, die hier gern bauen würden. Aber es gibt hier kein Gebäude über uns, das irgendwann einzustürzen droht und der Laden selbst gehört mir und meine Partnern. Das heißt, ich darf hier bleiben mit meinem Logo so lange ich noch Lust dazu habe. Und die habe ich noch.
Als allerletztes noch ein Wort zu dem, was demnächst in der Geburtstagswoche vom 29.8.-4.9. hier passiert. [Anm. d. Red.: das Programm findet ihr hier] Nach welchen Kriterien hast du genau diese Künstler zusammengestellt?
Da hatten ich und meine Crew einfach eine Wunschliste mit Bands, die wir gerne dabei haben möchten. Dann haben wir geschaut wer von denen Zeit und Lust hat und was finanziell machbar ist. So ist dieses Programm entstanden.
Eberhard, vielen Dank für deine Zeit und diese tollen Einblicke hinter die Logo-Kulissen.
Das Interview führte Dominik Stelp.
PS: Tickets für die Geburtstags-Shows bekommt Ihr natürlich jetzt schon dort.