So was nennt man Geduld. Durchhaltevermögen. Und den Glauben an die eigene Idee. So schwer es auch ist, diesen zu behalten. Misha G. Schoeneberg, ehemaliger Texter für Rio Reiser und Tourmanager von Ton Steine Scherben, nämlich hatte schon Anfang der 1990er eine Idee, die erst jetzt, erst heute das Licht der Welt erblickt.
Schoeneberg ist riesiger Leonard Cohen-Fan und hat schon vor 50 Jahren angefangen, dessen Texte ins Deutsche zu übersetzen. Später dann entwickelte sich daraus die Idee, Rio Reiser diese singen zu lassen. Am 20. August 1996 aber starb Reiser, zudem zog sich Cohen aus der Musik zurück – und das Projekt schien zu scheitern.
Bis 2010 die Herren Schoeneberg und Max Prosa einen ersten Song aufnahmen und an Leonard Cohen schickten. Der fand nicht nur den Song gut, ihm gefielen auch die Übersetzungen – die alle rückübersetzt und Cohen vorgelegt wurden! – und “Poem – Leonard Cohen in deutscher Sprache” erwachte langsam wieder.
Heute – pünktlich zu Cohens 80. Geburtstag am 21. September – erscheint die Compilation “Poem – Leonard Cohen in deutscher Sprache”, auf der 16 deutsche Künstler/Innen eingedeutschte Lieder singen. Vieles natürlich ist ziemlich dunkles Zeug, ist ruhiges, leises, Zeug. Ob Madsen oder Tim Bendzko, ob Max Prosa, Johannes Oerding oder Alin Coen, ob Anna Loos von Silly oder Jan Plewka von Selig.
Sie alle machen ihre Sache gut, ihnen allen steht der Liedermacher, ihnen allen hört man gerne zu. Ja sicherlich, die Klasse der Originale wird nicht erreicht. Aber darum geht es hier ja auch nicht. Es geht um Respekt, es geht um die Texte und das Projekt, es geht um das Ganze und es geht auch darum, den Leuten die Klasse von Cohen zu zeigen. Und das schaffen sie.
Das schaffen auch Peter Maffay, der hier tatsächlich rockt, das schafft die unvergleichliche Nina Hagen und das schaffen Fehlfarben und auch Reinhard Mey und – wirklich und sogar ganz besonders – Stefan Waggershausen. Und sie alle zusammen machen “Poem – Leonard Cohen in deutscher Sprache” zu einer sehr, sehr schönen Sache, einer sehr spannenden Platte. (mf)
Live: Madsen spielen morgen auf dem Reeperbahn Festival, Peter Maffay spielt am 15. Januar in der o2 World, Tim Bendzko am 23. März in der Laeiszhalle, Johannes Oerding am 13. Juni in der Sporthalle.
