Was haben die Portugiesen da geschaffen! “Extinct“, das elfte Studioalbum von Moonspell, wird übermorgen, am 6. März, veröffentlicht und das ist eine gute Nachricht, Freunde der Nacht! “Extinct“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich eine Band weiterentwickeln kann, ohne sich neu zu erfinden und ohne langjährige Fans vor den Kopf zu stoßen. Moonspell sind seit ca. 20 Jahren an der Gothic Metal Front dabei und haben sich von einer sehr düsteren, rohen Metal-Band zu einer sehr düsteren, vielschichtigen, teilweise Genre-unabhängigen Band entwickelt. Was das jetzt auf Deutsch heißt: Die harte Fraktion wird auf “Extinct“ ebenso bedient wie zarter besaitete Hörer. Es gibt mehr Bombast im Sound, wodurch Sie jetzt mehr nach großer Bühne klingen, anstatt nach Gewölbekellerclub. Beim Thema “die haben jetzt auch echte Streicher in den Songs” wird einem in der Regel erstmal das Bier im Glas schal, doch wenn immer nur so viel davon eingewebt wird, wie die Musik verträgt, kann es sogar eine richtig gute Idee sein.
Es sind übrigens auch Songs auf dem Album, also sprechen wir doch endlich mal Tacheles.
Der fünfeinhalb-minütige Bombast-Opener ”Breathe (Until we are no more)†setzt gleich zu Anfang ein Statement. Er legt recht gemäßigt los, erzeugt Spannung, explodiert im Refrain förmlich, so dass man unwillkürlich lauter drehen will, sackt wieder zusammen. Eine coole Dynamik. Und die Streicher klingen passagenweise irgendwie orientalisch. Ein absolut rundes Meisterwerk von einem Song. Der Titelsong “Extinct” bringt das alte Grollen und Geifern hervor. Auch wenn sich der Song im Refrain wieder hin zum Melancholischen mäßigt, er zeigt deutlich, mit wem wir es zu tun haben. “Medusalem” ist ein stark treibendes Ding, das irgendwie Sisters of Mercy-Assoziationen weckt. Und wieder dieses Orient-Ding! Dann nimmt “Domina” das Tempo raus. Ein durchgehend langsames Stück mit schon Balladesken Gesangslinien. Und leider kehrt die Großartigkeit der ersten vier Songs danach auch nicht wieder ganz zurück.
The Last Of Us ist der erste Schwachpunkt des Albums. Nicht weil es ein schlechter Song wäre, sondern weil es ein gefälliger Song ist, mit viel zu gutgelaunten Keyboards. Naja, kann man super zum Autofahren hören. “Malignia” ist langsam, athmosphärisch und irgendwie ein Füller. Okay zwar, aber kein Highlight. “Funeral Bloom” erhöht endlich wieder die Schlagzahl, “Dying Breed” nimmt sie auf und “The Future Is Dark” ist dann wieder richtig gut.
Und nachdem das sehr coole Outro “La Baphomette” verklungen ist, bleibt trotz der etwas schwachen Passage in der Mitte ein Glücksgefühl. “Extinct“ ist ein absolut gelungenes Album mit Heavy Rotation Faktor. Und mit einer Frage, die beim Betrachten des Frauen-Torso auf dem Cover durch den Kopf schießt: Warum kommt da ne Schweinenase aus der Tidde? Na, macht euch ab Freitag selbst ein Bild davon. Und am 17. März wird erstmal ins Knust rotiert. Dort verbreiten Moonspell zusammen mit Septic Flesh Düsternis. Präsentiert von concert-news. (ds)
