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4 Fragen an: Digitalism

Digitalism (18. November | Markthalle) noch in Hamburg vorzustellen, ist ja eigentlich wie die berühmte Eule nach Athen zu tragen. Und da will wegen Pleite doch sowieso keiner hin. Alles andere als mies stehen die Aktien zudem für ihr aktuelles Album „I Love You, Dude“. Warum man die beiden Sympathieträger Jens  Moelle und İsmail Tüfekçi auch abseits der Bühne einfach gerne haben muss, erklärt sich im Interview zwischen Hamburg und dem Tor zur sehr weiten Welt ganz von alleine.

Seit einigen Jahren gehört ihr zu den absoluten „Stars“ der internationalen Techno- und Elektro-Szene. Denkt ihr manchmal überhaupt noch darüber nach, dass ihr meinetwegen heute in New York City auflegt, tags darauf in Boston, zwei Tage später in Paris und dann vielleicht als nächstes Sydney und Tokio auf dem Tourplan stehen? Oder ist das inzwischen schon so feste Realität geworden, dass das „around the world“-Leben für euch völlig normal ist?

Das geht schon! Natürlich haben wir uns inzwischen an das viele Reisen gewöhnt, aber das kommt auch nicht über Nacht, sondern brauchte eine lange Zeit. Inzwischen ist es so, dass alles sitzt, vom Kofferpacken über Tourvorbereitung bis wahrscheinlich hin zu Verhaltensmustern in Hotels hier und da. Aber das heißt nicht, dass uns egal ist, wo wir gerade sind. Im Gegenteil, gerade, weil wir so viel rumkommen, freuen wir uns besonders, wenn wir in bestimmte Städte zurückkehren, weil wir schöne Erinnerungen damit verbinden, oder andersherum, wenn es zu einem komplett neuen Ort geht, sind wir gespannt, wie es wird. Es gibt so vieles zu entdecken da draußen. Dass wir so viel davon mitbekommen, schätzen wir sehr. Das ist unbezahlbar.

Mit der Veröffentlichung von „I Love You, Dude“ (V2; Cooperative Music; Universal) dürfte eure Popularität weiter zunehmen. Wie steht ihr dazu, dass Elektro inzwischen mitten im Mainstream angekommen ist? Paul Kalkbrenners Album „Icke Wieder“ belegte als Beispiel ja kürzlich hinter DSDS- Pietro Platz 2 der Album-Charts.

Das hat seine guten und schlechten Seiten und ist dasselbe wie damals mit House Music, die zunächst auch dadurch reizte, dass sie nicht in jedem Café oder Klamottenladen durch die Lautsprecher verheizt wurde. Nach einiger Zeit lief das überall, aber halt auch in den Charts, und hat sich dort etabliert. Für uns ist es natürlich gut, wenn unsere Art Musik dadurch mehr Zuhörer bekommt. Solche Chartsplatzierungen wie z.B. die von Paul wären vor einigen Jahren gar nicht möglich gewesen. Und guckt man mal in die USA, dann haben Leute wie David Guetta den ganzen Markt umgekrempelt: Dance und Elektronische Musik sind jetzt offiziell in den Staaten angekommen, vor ein paar Jahren gab es dort fast nur R’n’B und Rock zu hören! Auf der anderen Seite kommen natürlich immer mehr Kopien und neue Leute dazu, die erst jetzt, wo Elektronik erfolgreicher ist, auf den Wagen aufspringen, und die Musiklandschaft mit seichtem Zeug überfluten… Dabei wird das Niveau runtergezogen, und auf einmal ist alles wieder so beliebig. So sollte es natürlich auch nicht sein.

Ihr habt bereits für viele renommierte große Künstler Remixe gemacht, u.a. für Depeche Mode. Wie muss man sich so was vorstellen? Meldet sich da Martin Gore auch mal persönlich oder läuft das ausschließlich über die jeweiligen Managements oder Labels ab?

Das kommt drauf an: Je größer die Band oder der Artist, desto unpersönlicher wird das meistens. Z.B. Depeche Mode oder auch Dave Gahan selbst für einen zweiten Remix hatten sich über ihr Management gemeldet. Trotzdem war das natürlich eine große Ehre – der Impuls kam von der Band. Mit anderen Bands und Künstlern sind wir wiederum gut befreundet, z.B. die Jungs von Cut Copy oder The Presets zu Beispiel, da läuft alles direkt ab.

Nachdem Alex Ridha (Boys Noize) vor einiger Zeit von Hamburg Richtung Berlin abgewandert ist interessiert uns natürlich, ob ihr möglicher Weise ebenfalls einen Städtewechsel in die Hauptstadt vornehmen, oder ob ihr Hamburger bleiben werdet? Immerhin befindet sich ja mit dem Track „Reeperbahn“ eine ganz eindeutige Anspielung auf eure Heimatstadt auf dem neuen Album (wobei „Reeperbahn“ ja nicht notwendigerweise eine positive Anspielung sein muss…).

Soweit haben wir keine Pläne. Hamburg ist sehr wichtig für uns und unsere Musik. Es ist etwas ruhiger als Berlin oder London zum Beispiel, und genau das schätzen wir sehr, gerade wenn wir von einer Tour zurückkommen. Hier fühlt man sich nicht dazu verpflichtet, 24 Stunden lang auszugehen. Die Stadt ist wie ein riesiger Park mit viel Grün und Wasser. Für die Musik spielt das auch eine Rolle, denn hier können wir in Ruhe schreiben produzieren in unserem Studio, ohne großartig in bestimmte Szenen oder Gruppen involviert zu sein. Das ist eher so eine Hamburg-Sache und hat uns geprägt.

Wir freuen uns auf eure Show im November in der Hamburger Markthalle. Alles Gute für das neue Album und vielen Dank für eure Zeit zur Beantwortung der Fragen.

Wir uns auch natürlich! Danke euch.

Interview: Kai Winter


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