Die Sollbruchstelle an sich ist ja bekanntlich ein Widerspruch. Philosophisch betrachtet vielleicht auch nicht. Doch dazu reicht hier der Platz nicht aus. Das Ergebnis daraus kann Stille sein oder eben der Weg vom privaten Nachthafen zum öffentlichen Nachthafen. Dort legt Pascal Finkenauer tatsächlich von Zeit zu Zeit verdammt gut ausgesuchte Platten auf und vielleicht sind einige der verwundeten und verregneten Ideen für das Album “Pascal Finkenauer” rund um diese langen Nächte entstanden. Übrigens: Ihr fandet “Ich blicke an dir vorbei” seinerzeit düster? Nun, wir haben die Luft nach oben jetzt gefunden.

“Intensität” ist die nächste, zu verschlagwortende Koordinate für den Nachtfalken, der sich, aus Gründen die hier nichts zu suchen haben, zuletzt mehr und mehr aus der Helligkeit selbst entfernte, um sich ab der Dämmerung an aufwärts vielleicht gleich wieder ein wenig trittsicherer zu fühlen. So entstanden zwölf ausnahmslos dichte Betrachtungen. Und weil der Zauber neuer Anfänge mal wieder tief in der Asche der Vorgeschichte steckt, ist es nur recht und billig, in der wabernden Unordnung gleich eine neue Band zusammenzustellen.

Die legt einen tighten, (be)drückenden & durchweg dunkelblauen Pop-Klangteppich unter das Finkenauersche Vibrato, verzichtet aber meist auf all zu offensichtliche Stolperfallen, die den sich schmerzhaft windenden Texten vorbehalten bleiben. Nicht nur Zeilen wie “In den Venen spült es Ratten” fokussieren das Trauerspiel aus Insomnia, Hoffnung(slosigkeit) und implantiertem Terror. “Den Bach runter” gibt als erste Single schon mal die geschotterte Wegrichtung vor und vieles was folgt, ergeht sich nur zu gerne in der erhabenen Schönheit des Verlusts irgendeines bedeutsamen Faktors.

Wenn dann im Abspann die Hymne “Offen” das scheinbar unvermeidlich drängende “H” am Anfang einfach auslässt und sich breit auf das Sofa fläzt, klingt “Pascal Finkenauer” im Wissen aus, dass wir es hier mit der Offenbarung des Monats zu tun haben. Nur wer es mit dem Blick auf intime Befindlichkeiten nicht so hat, lässt lieber die Finger davon. Wir wollen ja keine Perlen vor den Säuen aufsammeln müssen. 12. Mai | Indra | concert-news präsentiert (kel)

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