Um mal mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen. Weder hört der gemeine Musikredakteur selbst seine Alben ausschließlich umgeben von tiefschwarzer Nacht, in der lediglich ein Glas Rotwein fahl leuchtet. Ebenfalls keiner solchen Regel unterliegt der Genuss bisheriger Kat Frankie-Alben. Auf “Please don’t give me what I want” wird sich daran auch nichts ändern. Es sei denn, der allmächtige Merlot gehört bei euch bereits zum Frühstücks-Buffet. Aber nehmen wir das doch mal als (allerdings nüchterne) Testanordnung. Es ist sieben Uhr am Morgen, die WG-Küche glänzt matt. Idealerweise haben die verirrten Träume aus der nicht ganz vergangenen Nacht dem Realitätssinn noch nicht seinen vollen Platz eingeräumt.
Ähnlich muss es der australischen Exil-Berlinerin Kat Frankie ergangen sein zu Beginn der Arbeiten an “Please don’t give me what I want”. “Ich möchte, dass meine Platten so klingen wie in meinem Kopf”. Sprach es und zog sich zum Beispiel für den Song “Requiem for a queen” in einen zehn Meter langen Flur zurück, an dessen gegenüberliegendem Ende das Mikrofon aufgebaut war. Einige der Lieder sind Besuchern ihrer Konzerte schon aus den vergangenen Monaten bekannt. Der Versuch, es literarisch anmutend auch mal in deutscher Sprache zu versuchen (“Der Ertrag”), kann allerdings vorläufig noch unter der Überschrift “Rezeptidee” verfeinert werden.
Altbekannte Loops, Frankies gewohnt besonders phrasierte und prägnante Stimme, das Klavier als phasenweise neuer Mittelpunkt, ein “Harmonium namens Bina” und ein paar andere schöne Details, gibt es auf “Please don’t give me what I want” zu entdecken. Diese Elemente verwandeln die Autodidaktin und Ausnahmekünstlerin endgültig in eine von Normen befreite Aufnahmekünstlerin. So weit offen jedenfalls stand die Tür von der eigenen, sich selbst schützenden Introversion hinaus in die Welt bei Kat Frankie bisher noch nie. Die angebrochene Flasche Rotwein für den geneigten Hörer am Morgen allerdings kann gerne weiterhin verschlossen ihr Dasein fristen. 6. November | Kampnagel | Tickets (kel)
