“Kopf an Kopf“ kommt fast ohne Karma aus. Wahrheit und Lüge zugleich. Wolfgang Karma, langjähriger inhaltlicher Begleiter von Silly, zeigt auf dem zweiten Album nach dem “richtigen” Neustart nur noch für ein knappes Drittel aller Stücke seine emphatische Verantwortlichkeit. Übernommen hat jetzt auch hier Anna Loos, rechtmäßige “Erbin der Herzen” der unvergesslichen Tamara Danz und wer die Geschichte der Ost-Berliner seit jeher ein wenig verfolgen konnte, ahnt bald, dass dieser Wechsel nicht ganz ohne Reibung vonstattengegangen sein könnte.
Der Titel “Kopf an Kopf“ könnte daher exemplarisch für die, an internen Auseinandersetzungen nicht eben arme, Geschichte von Silly stehen. Mit “Blinder Passagier”, und das macht dann wirklich schon früh Gänsehaut, wird ein altes Tamara Danz-Thema mit der Gegenwart nicht nur einfach, sondern fast wie ein akustisches TeleHologramm verknüpft. Dass die Loos hier und da mit sehr großen, weiten, ausladenden Gesten zu Werke geht und auch das Bild gefallener Grenzen in Privatsphären zweier sich irgendwie Liebender transportiert, mag nicht jeder für sich als notwendig empfinden. Dass sich darin und darüber hinaus aber schon bald ganz neue Hindernisse aufbauen (“Blutsgeschwister”), die sich nicht mit aufgebohrten Systemen erklären lassen, ist anders als woanders.
“Vaterland” mischt sich in der Mitte des 15-teiligen Albums reich an Selbstzweifeln in die Diskussion um Waffenexporte und Loyalität zum eigenen Land ein ohne sich verdächtig zu machen. Und während Madsen sich seinerzeit vom “Sturm hinaus” ziehen ließen, halten Silly dieses Kino tapfer “Kopf an Kopf” aus ohne die Augen im Hippie-Modus vor der Welt zu verschließen. Kann man zur Not mit etwas viel Pathos im Blut erklären oder einfach besser mit einer heimlichen Träne garnieren. Die eigene peinliche Lieblingszeile des Jahres ist eh jetzt schon am Kühlschrank festgetackert: “Der Wind wird schmecken wie in Schnee gebadet”. Und am Ende rieselt sogar Feenstaub. 18. Mai | Große Freiheit 36 (kel)