Ja, Roskilde ist natürlich ein Musikfestival und auch in diesem Jahr kann man dort vom 29.06. – 07.07. mit zum Teil exklusiven Highlights auftrumpfen und lässt fast 200 Künstler auftreten, die von Heavy Metal bis Pop, über Bossa Nova bis Hip Hop und wieder zurück, noch allerlei weitere musikalische Spielarten bereithalten werden. Roskilde war schon immer ein vielseitiges Entdecker-Festival und es lohnt, sich vorweg mit dem Lineup zu beschäftigen, bevor man sich später ärgert, was man verpasst hat. Damit sind nicht nur all die Künstler gemeint, die seit Monaten die Musikblogs beherrschen, sondern auch die skandinavischen Nachwuchsbands, die in den Tagen vor dem eigentlichen Festival bereits zwei der Bühnen vor Ort bespielen. Somit wird aus einem eigentlich viertägigen Festival mal eben eine ganze Woche voller Livemusik.

Wenn aber vom Roskilde Festival die Rede ist, wird oft vom ‚Orange Feeling’ gesprochen, etwas, was Roskilde besonders macht, und gleichzeitig nicht leicht zu beschreiben ist. Einen Versuch unternehmen wir heute trotzdem.

Bis zu 115.000 Menschen treiben sich während des Festivals auf dem Gelände herum. Davon sind etwa 80.000 die Festivalbesucher, der Rest setzt sich aus den Künstlern, Medienvertretern, vor allem aber den Roskilde Volunteers zusammen: Rund 30.000 Freiwillige arbeiten in jedem Jahr auf dem, und für das, Roskilde Festival. Sie organisieren, bauen auf, sorgen für den reibungslosen Ablauf und das – genau – Orange Feeling. Das Roskilde Festival ist eine Non-Profit-Veranstaltung: Alle Gewinne gehen an humanitäre Organisationen und Einrichtungen. Vorwiegend solche, die in erster Linie Kindern und jungen Menschen helfen. Seit 1972 wurden auf diese Weise über 23 Millionen Euro gespendet! Unterstützt wurden unter anderem Ärzte ohne Grenzen, Amnesty International oder der WWF, um nur drei Beispiele zu nennen.

Tatsächlich arbeiten für das Festival nur etwa 50 fest angestellte Mitarbeiter, der Rest tut dies auf freiwilliger Basis. Diese Freiwilligen kommen zumeist von ortsansässigen Vereinen oder Kulturorganisationen, die wiederum die meisten der Essens- und Getränke-Stände auf dem Festival betreuen, weswegen es auch eine auf Festivals wohl sonst unerreichte Auswahl und Qualität an Nahrungsmitteln gibt. Es ist hier außerdem selbstverständlich, dass jeder Stand mindestens ein vegetarisches Gericht anbietet und penibel auf Herkunft und Qualität der Zutaten, sowie auf Hygiene geachtet wird.

Ein weiteres Anliegen des Festivals ist es, für mehr Toleranz und Aufgeschlossenheit zu werben – und dieser Geist schwebt tatsächlich über dem gesamten Festival und spiegelt sich in vielen der Aktivitäten, Installationen und Ideen dort wieder. Das Festival wird in jedem Jahr unter ein Motto gestellt. In 2013 lautet dieses: „Change“, womit eine Veränderung der Gesellschaft durch Einmischung und Beteiligung gemeint ist:

“With CHANGE we wish to inspire and empower our audience to create a more sustainable and socially just society – on the basis of Roskilde Festival. We wish to support a movement where thought is rapidly turned into action that then creates a change to benefit more than just the originator.”

Man darf sehr gespannt sein, was man sich für diese Thematik so alles hat einfallen lassen. Und ‚Dream City’ ist eine dieser Ideen: Hier treffen sich Menschen, um ihre Ideen gemeinsam umzusetzen, wofür im ‚Dream City Makerspace’ („The place where impossible projects come to life“) unter anderem 3D-Drucker oder CNC-Maschinen zur Verfügung stehen (und auch Fachleute, die einem bei der Bedienung helfen). Man kann hier aber auch Apps basteln, oder gemeinsam neue Ideen für das Festival entwickeln, die den Veranstaltern später vorgelegt werden. Oder man erarbeitet sich Ideen für das eigene Camp, denn auch die vielen ausgefallenen Camps auf den Campingplätzen haben in Roskilde eine lange Tradition und Beteiligung schreibt man in Roskilde generell groß.

Seit einigen Jahren wird daher auch das ‚Camp of the Year’ gewählt, wobei in 2013 erstmalig zunächst Tagesgewinner aus verschiedenen Themenbereichen gewählt werden und erst am Ende wird aus diesen, von den Gestaltern selbst, das ‚Camp of the Year’ gekürt. Die Macher gewinnen dann eine Trophäe, T-Shirts und freien Eintritt für 2014.

Auch sonst sind die Camping Areas gut organisiert: Jede Camp Area hat seinen eigenen Service Tower, wo Service Guards bemüht sind, alle Fragen zu beantworten. Dort gibt es auch Kochstellen, man kann seine Kamera- und Handy-Akkus aufladen lassen (oder seine Autobatterie, falls man eine größere Musikanlage zu füttern hat), es gibt Garderoben, Gepäckaufbewahrungen, Mülltütensammelplätze (die täglich geleert werden) zwei Supermärkte direkt auf dem Gelände und zur besseren Orientierung tragen die Hauptwege Straßennamen, die sich natürlich auch auf den Übersichtsplänen des Festivals wiederfinden. Neben den üblichen Sanitäranlagen gibt es aber auch warme Duschen und sogar die Möglichkeit ein Bad zu nehmen. Apropos Bad: Es gibt auch einen überwachten Badesee – und wer angeln möchte, kann auch dies am Festival-eigenen Angelsee unter fachkundiger Anleitung tun und seinen Fang gleich vor Ort zubereiten..

Natürlich gibt es auch Green Camps, die maßgeblich von den Besuchern gestaltet werden und für die man sich vorab bewerben kann, um dann mit seinen guten Ideen einen Spot auf dem Campinggelände vorab zugesichert zu bekommen. Außerdem gibt es die sogenannten Clean Camps, auf denen ganz bewusst auf Sauberkeit, sowie in den Silent Camps auf nächtliche Ruhe, geachtet werden soll. Diese Flächen werden von Jahr zu Jahr einnehmender, was viel über die Besucher des Roskilde Festivals aussagt – und das heißt keinesfalls, dass hier auf das Feiern verzichtet wird! Wer übrigens keine Lust hat, ein Zelt bei Ankunft aufzubauen, kann dies im Vorfeld auch errichten lassen und wer sich erst mal mit einem gekühlten Bier hinsetzen möchte, kann sich eine gekühlte Palette Bier bestellen und bei Ankunft am Eingang abholen.

Nun haben wir schon einige ‚Selbstverständlichkeiten’ des Orange Feelings aufgezählt und haben dabei noch längst nicht alles genannt. Festivaleigener Radiosender, Gratis-Kino, eine eigene Bahnhaltestelle für problemlose An- und Abreise (oder einen Besuch im nah gelegenen Kopenhagen), Wasserausgabe bei Konzerten, Pfandbechersammler und und und… es gibt wirklich vieles über das man berichten könnte, doch einen Punkt gibt es noch, der unbedingt noch Erwähnung finden muss und fast die selbe Wichtigkeit hat wie die Musik, und das sind die Kunstinstallationen und Aktionen. Das Festival nennt das diesjährige Festival dann auch gleich einen „gigantischen, kollektiven Spielplatz der Innovation und Kreativität“. Es wird wieder Installationen geben, besonders designte „Cities“ und „Zones“, Architektur und natürlich Strassenkünstler-Performances. Nicht zuletzt werden die Organisatoren mit Sicherheit, wie in jedem Jahr, noch einige Überraschungen auf dem Gelände in der Planung haben.

Ihr seht, es gibt neben der Musik in Roskilde irre viel zu entdecken und erforschen – und wir haben bei weitem noch nicht alles genannt. (nsc)

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