Die Frage “Soll ich bleiben oder gehen” stellte sich eine Weile für Jon Flemming Olsen. Der nicht reproduzierbare “No, no never”-Höhenflug hatte letztendlich dann das stolze Wüsten-Flaggschiff Texas Lightning an der nächsten Düne zerschellen lassen. Ein Ort, der sich für Olsen allerdings schon bald als künstlerische Oase erweisen sollte. Nach erfolgter Vollbetankung klingt er auf “Immer wieder weiter” phasenweise nach einem, mit einer Mandoline verheirateten, Co-Piloten von Annett Louisan.

Zumindest eben auf Songs wie “Das wird immer sein” (“Gentle On My Mind”) oder eben dem eingangs zitierten “Soll ich bleiben oder gehen”, das (wer hat es erraten?) auf nichts anderem gründet als dem ollen Clash-Stomper. So gerät das Frühstück im Park beim “Picknicker” dann auch noch wirklich kurzweilig, gefällt IngOlsen immer noch sehr im “Morgengrauen” (“Golden Brown”), schreitet aber in Versuchen über “Karl Heinz Schmitz” (“Ballroom Blitz”) oder “Deine Mutti” (“Blame it on the Boogie”) schamlos über alle Sch(m)erzgrenzen.

Abgefedert werden die vielen gut abgehangenen Coverversionen durch ein paar wenige eigene Kompositionen und die überraschend schöne “Crazy”-Adoption (ja, Adoption!) “Ich seh sie”, die selbst der Klum noch echte Tränen in die großen Rehaugen treiben würde. Fast am Ende wird dann “Drive” zu “Nicht nach Haus” und zur irgendwie mutlosen Abrechnung. Vielleicht hätte überhaupt insgesamt ein wenig mehr Vertrauen in eigene Kompositionen auf “Immer wieder weiter” dem nachhaltigen Eindruck noch ein Stückchen besser getan. Das finale, alles stehen lassende “Tanz durch den Müll” steht aber nun wirklich nicht stellvertretend für ein Ü-40-Album wie dieses. Auch wenn (oder gerade weil?) sich die Titelzeile offenbar unbedingt auf “Sei endlich still” reimen musste. 24. April | Fabrik (kel)

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