Es klopft rhythmisch, eine Gitarrenmelodie setzt ein und dann die Worte: “Auf der Suche nach Wahrheit / wie es wirklich ist / findet man endlich Klarheit / bis man sie wieder vergisst!” – So beginnt “Endlich Nichts” von Spaceman Spiff (aka Hannes Wittmer). Das furiose Erföffnungsstück baut und bäumt sich auf, so dass eigentlich jedem klar jetzt schon klar sein muss, es hier mit einem Ausnahmekünstler zu tun zu haben. Denn textlich geht es hier um ALLES!

Verpackt in scheinbar unscheinbaren oder naiven Bildern (“Ich hab die ruhe selbst gefunden / in einem Snickers in Neuseeland”) thematisiert und kritisiert er unsere heutigen Lebenswelten. Wer Calvin & Hobbes kennt, weiss was ich damit meinte. Auch der kleine Calvin hat so seine Schwierigkeiten mit dem Leben und flüchtet sich gerne in Phantasiewelten (z.B. als Spaceman Spiff), aus denen er meist rabiat wieder in die Realität geschleudert wird. Egal ob Calvin oder Hannes, die Erkenntnisse der beiden Spacemen sinds stets tattoofähig.

Allerspätestens beim dritten Stück “Mind The Gap” packt es einen. Man weiss nicht ganz genau wovon er da singt (Eine übermüdete U-Bahnfahrt? Über Freundschaft?), aber man fühlt sich von der besungenen U-Bahn seelisch abgeholt. Ein Effekt wie man ihn van anderen Grand Hotel van Cleef-Künstlern kennt, allen voran Kettcar. Richtig spannend wird es bei 2 Minuten 48 Sekunden. Eine kleine musikalische Spielerei als großer Moment. Mehr verrat sich jetzt nicht.

Unverkennbar klingt er oft wie Gisbert zu Knyphausen (oder klingt Gisbert wie er?). Auch inhaltlich sind sie sich sehr nah. Das ist aber eher Qualitätsmerkmal als sonst irgendetwas. Spaceman Spiffs Musik ist allerdings perkussiver und ein bißchen vertrackter. Oft liest man ja, dass Alben stark anfangen und dann ab der Mitte irgendwie abfallen. Das mag für einige Alben stimmen, aber wenn der Effekt hier eintritt, dann ist das eine akustische Täuschung. Weil die ersten Stücke schon so toll sind, kann man die Tollheit der hinteren Stücke anfangs gar nicht richtig aufnehmen. Nach Stück Nummer Fünf “Oh Bartleby” hatte ich oft schon wieder auf die Eins geskippt… Bitte tut das nicht! Da kommt noch so viel.

Warum kommt solch bewegende Musik eigentlich so oft aus Hamburg? Sie, egal ob die Stadt oder die Musik, ist sicher nicht jedermanns Sache. Aber jeder, der sich darauf einlässt, wird sich verlieben.

Und morgen abend, am 31. Januar landet Spaceman Spiff im Uebel und Gefährlich! Geht bitte für mich hin, ich bin zu weit weg! (gs)

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