Als die Horrors 2007 das Licht der Welt erblickten, kamen einem die Fünf zunächst eher vor wie wandelnde Frisuren als wie ernstzunehmende Musiker. Die Frisuren sind seitdem zwar vielleicht nur leicht besser geworden, aber die musikalischen Sprünge und Ambitionen, die die Band um Sänger Faris Badwan mit jedem Album verwirklichte, waren enorm. Vorläufiger Höhepunkt: das nahezu perfekte “Skying” im Jahr 2011. Der Nachfolger “Luminous” (Beggars Group/XL) ist scheinbar Ausdruck einer Band, die dank des Erreichten vielleicht erstmals etwas entspannter zu Werke geht. Das ideenreiche Sound-Entdeckertum ist geblieben, doch erstmals ließ man sich mehr Zeit. In 15 Monaten entstand das neue Album in Zusammenarbeit mit Dauer-Kollaborateur Craig Silvey und ist hörbar beseelt von dem positiven Leuchten, dass ihm seinen Titel gibt.

Opener “Chasing Shadows” darf erstmal fast drei Minuten lang eine euphorische Sound-Kulisse aufbauen, bevor wummernde Drums den Hörer mitreißen. “First Day Of Spring” bietet dann feinste Gänsehaut-Synths, wie sie die Horrors mittlerweile im Schlaf zu beherrschen scheinen. Mit Vorab-Single “So Now You Know” hält als Nächstes Pop-Epik Einzug, wunderbar eingefangen im begleitenden Video.

“Luminous” mischt Songs, die auch auf dem Vorgänger heimisch gewesen sein könnten, mit stärkeren elektronischen Einflüssen, wie auf “In And Out Of Sight”, dessen Discosound den Horrors überraschend gut zu Gesicht steht. Anschließend dröhnt “Jealous Sun” los wie 1000 Hummeln, will dann aber genau wie das folgende “Falling Star” doch nicht so recht fliegen. Erst mit “I See You”, dass laut Band als Blaupause für das Album diente, nimmt “Luminous” wieder Kurs auf die Stratosphäre und stößt mit dessen atemberaubenden Finale in ungeahnte Höhen vor. Die eher untypisch jaulenden Gitarren auf “Mine And Yours” bilden dann mit “Sleepwalk” den würdigen Abschluß.

Wer die hypnotische Liveshow der Horrors erleben möchte, hat im Mai bei ein paar wenigen Konzerten in London und Paris, sowie bei zahlreichen Sommerfestivals (u.a. Roskilde, Reading & Leeds, Best Kept Secret), die Gelegenheit. Bleibt nur zu hoffen, dass die Band uns nach dem letzten Besuch Ende 2011, dann bald auch mal wieder in Hamburg beehrt. (cp)

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