Dieser Julian Casablancas traut sich was. Die Punkpopindieelectronicatrashsample-Hymnen, ach was: Orgien, die der The Strokes – Frontmann auf dem zweiten Ausflug ausserhalb seines angestammten Bandgefüges unternimmt, verdient zunächst mal Aufmerksamkeit und Respekt. Was er auf “Tyranny” abliefert, ist noch einmal eine ganze Spur verrückter und abgefahrener, als auf seinem Solodebut vor fünf Jahren. Kaum verwunderlich, dass er sich dafür gleich eine neue Band zur Hilfe genommen hat und nun unter dem Namen Julian Casablancas +TheVoidz firmiert. Was uns diese Combo hier um die Ohren haut, lässt aufhorchen und zurückschrecken zugleich und offenbart eine sehr ungewöhnliche Eigenschaft:
Das musikalische Chaos wird eigentlich von lupenreinen Popsongs zusammengehalten, wie einem nach mehrmaligem Durchhören dann doch auffällt. Es muss einen Heidenspass gemacht haben, diese Songs mit seltsamen Sounds und Samples, Metalriffs, Kinderkeyboardmelodien und Soundeffekten zu zersetzen und für unstrapazierte Ohren dürfte die ein oder andere Belastungsprobe unter den 12 Songs zu finden sein. Die Ideen darin dürften für 2-3 Musikerkarrieren ausreichen.
Es darf gespannt erwartet werden, wie die Liveumsetzung dieses Klang-Molochs am 14. Dezember 2014 auf der Bühne des mojo club vonstatten gehen wird, wenn Julian Casablancas+TheVoidz sich die Ehre geben, bevor The Strokes im kommenden Jahr wieder die erste Geige spielen (erste Festivaltermine sind bereits bestätigt). (nsc)
