One, two, three, four, dann fliegen die ersten Gitarrentöne durch den Raum und stellen sofort klar: Wir haben es hier schwer mit Bluesrock zu tun. Aber so richtig. Und so richtig gut vor allem! Vergesst Tencaious D für die Länge des Debut-Albums (selbstbetitelt) der Kyle Gass Band, das am 17. April erscheint. Kyle braucht Jack nicht. Vielleicht zum Rumalbern, aber definitv nicht zum Musik machen. Kyle Gass hat es drauf und er hat eine Truppe von hochkarätigen Dudes um sich geschart, die es ebenso drauf haben.
Man hört es der 10 Songs starken Platte von Anfang bis Ende an, dass hier Top-Musiker am Werk sind. Sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll sind die Songs, driften aber nie ins Gefrickel ab. Für den außergewöhnlichen Touch sorgen Kyles regelmäßige Block- und Querflöten-Einlagen. Was die Lyrics angeht, kommen wir dann doch wieder nicht um Assoziationen zu Tenacious D herum. “She’s good around the beedroom if you know what I mean / she lets one go right after eatin’ some beans / she can rip one through her trousers and then fix all the seams / She’s my bro-ho” singt Kyle in “Bro Ho“. Könnte auch von Jack stammen. Und der Anfang des Songs klingt auch irgendwie ein bisschen wie von “Fuck Her Gently” abgeleitet. Der letzte Song “Gypsy Roll” – ein Song über den ersten Rocker dieser Welt, dem auf einem langen Weg eine Gypsy Hexerin begegnet (kein shiny demon) – erinnert in der Story und der Song-Struktur an “Tribute”. Davon abgesehen ist er der perfekte last track. Er ist anders als seine neun Vorgänger. Epischer. Es wirkt, als hätte Kyle noch diverse Ideen im Kopf und Licks in den Fingerspitzen gehabt, die noch verarbeitet werden mussten und daraus dann “Gypsy Roll” entstand. Man hat nach dem Abklingen der letzten Töne Bock, direkt wieder auf Play zu drücken.
Außer Bro Ho auch noch zum Probehören: “Dyin’ Day”, “Manchild” und “Questionable”.
Dem Sound der Platte wiederum hätten etwas mehr Ecken und Kanten – oder überhaupt welche – gutgetan. Er klingt irgendwie etwas glattgebügelt. Es fehlt ein bisschen der Punch. Und das liegt definitiv nicht an den Musikern oder den Songs.
Aber halten wir mal fest: “Kyle Gass Band” von der Kyle Gass Band ist ein Album, das Kyle als eigenständigen Rock-Act etabliert. Es ist alles andere als nur der Solo-Geschäftszweig eines Sidekicks, es ist ein Heavy Rotation-verdächtiges Stück Rock’n’Roll. Nächster Halt: Uebel&Gefährlich. Am 25. April. Stolz präsentiert von concert-news. Tickets gibts auch noch.(ds)