Es gibt manchmal gewisse Indikatoren dafür, dass man sich bestimmte Künstler anhören sollte, auch wenn man die Musik kaum kennt. Für einige ist es die überragende Album-Kritik im bevorzugten Szene-Blatt, für andere sind es die künstlerisch hochwertigen Musikvideos im Netz. Mein persönlicher Konzert-Detektor schlägt aus, wenn eine Band aus dem Hause Sinnbus Records nach Hamburg kommt. Seit einigen Jahren verfolge ich das Treiben des traditionsreichen Berliner Labels und wurde schon mehrfach davon überzeugt, dass Pop-Musik auch im Jahre 2015 noch anders, innovativ und abwechslungsreich klingen kann. Wenn dann gleich zwei Sinnbus-Künstler gemeinsam auf Tour gehen, kann ich mich schon im Voraus auf eines der Konzerte des Jahres freuen.
Am 3. November findet im Kleinen Donner eines meiner Konzerte des Jahres 2015 statt. Der dänische Ausnahmemusiker Asbjí¸rn präsentiert sein neues Album “Pseudo Vision” und hat La Boum Fatale mit im Tourbus hocken. Beide Künstler sind absolute Perfektionisten, was Sound, Bühnenbild und Performance angeht. Ihre Shows sind laut, basslastig, schrill und einnehmend. Musikalisch bewegen sich sowohl Asbjí¸rn, als auch La Boum Fatale, auf dem elektronischen Trampelpfad der kontemporären Pop-Musik. Ihre Live-Performances gleichen einem guten Film, der einen in seinen Bann zieht. Silhouetten gleiten über die neblige Bühne, dezentes Rauschen und schrille Höhen zerschneiden den Raum, während der Bass den ganzen Körper erschüttern lässt.
Die Liebe zum Detail und der ausgefallene Klang machen es schwer, La Boum Fatale und Asbjí¸rn in eine Schublade zu stecken. Sind das jetzt gute Pop-Musiker, elektronische Live-Bands oder Künstler, die ihr Gesamtkonzept auf die Bühne bringen? Es scheint alles zuzutreffen und man kann sich darauf einigen, dass allen das Stellen dieser Frage auf einen besonderen Abend hindeutet. (hw)
