TurbostaatErtrinkt denn schon die Überschrift in Misanthropie? Konzert ist jetzt Konzept? Turbostaat (2. April | Markthalle) lassen die Wut sachte hinter sich fallen, brechen mit der Vergangenheit, treten einen Leidensweg an, nehmen keinen Jakobsweg als Abkürzung. Und hat da wirklich jemand eben für einen Moment „Sanftheit“ assoziiert? Die, teils tief versandet und schwer verortbare, Wahrheit liegt irgendwo im Abgrund. Dort liegt sie vielleicht für viele Jahre sicher und das ist schon schlimm genug. „Komm mit mir. Wir bleiben nicht zum Sterben hier.“ Die Schonungslosig … Zeit hat schon begonnen. Mit „Ruperts Gruen“ ist der zugehörige Code aber noch lange nicht aufgelöst.

Wie viele gemeinsame Buchstaben haben eigentlich die beiden, anfangs des Albums (“Abalonia” erscheint genau heute!) hergeleiteten Begriffe „Aufbruch“ und „Flucht“? Die zwei folgenden Tracks („Der Zeuge“ & „Der Wels“) lassen ein wenig Spielraum für solche Gedanken. Kurz darauf schleichen „Arschgesichter“ wie Zombies durch den dichten Küstennebel, der, global ersonnen, nicht notwendigerweise knapp vor Husum liegt. Schon. Auch. Aber. Die Leere einer Flucht und die Lehre daraus begegnen sich in Häfen. John Carpenter könnte sowas klasse inszenieren. Oder Chris de Burgh. „Don’t pay the ferryman. Don’t even fix a price until he gets you to the other side”. Wer jetzt einen Ohrwurm gefunden hat, darf ihn behalten. Markus Wiebusch dazu: „In Städten mit Häfen haben die Menschen noch Hoffnung“. Wer krasse Kontraste findet …

Don „Wolter“ Quichote kämpft dann in der Albummitte von „Abalonia“ schon längst an verschiedenen Fronten gleichermaßen. Wenn Vinyl jemals zum richtigen Moment in die Auslaufrille kippen kann, dann hier und jetzt. Zurück bleibt nur der Tod, eine offene See und an dieser Stelle ein Story-Cliffhanger wie in der Lindenstraße. Selten habe ich bis hierhin eine glodernde Lut voller bedrohlicher Chiffren so greifbar, reich an Nuancen, noch seltener eine neue Welt so nasskalt erlebt. Um diese Wirkung zu erzielen, klingen Turbostaat in ihren, vom ursprünglichen Punkrock auch mal entfernteren Momenten auch für Augenblicke mal wie ein Kante-Zitat. Alles fließt. Gezeiten ändern sich. Die Grenzen nicht minder. (kel)

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