Man nehme: Einen Teil zarter Neoklassik-Melodien von í“lafur Arnalds und einen Teil knackigen Elektropop wie ihn Janus Rasmussen von Bloodgroup zelebriert – schon ist man bei der Genialität von Kiasmos gelandet, die beide Stilrichtungen geschmackvoll miteinander zu verbinden wissen. Das 2014 auf Erased Tapes Records erschienene Debut-Album klingt genauso, wie man sich eine Symbiose aus Pop, Klassik und elektronischer Tanzmusik vorstellt. Hinreißend, schwärmerisch, zum Verlieben. Wie gut, dass die beiden Isländer ihren Sound nun wieder in Hamburg auf die Bühne bringen, nachdem sie vor zwei Jahren bereits auf dem MS Dockville-Festival entzückten.
Dieser Auftritt wird jedoch ein ganz besonderer: Kiasmos werden sich an diesem Abend keinem geringeren als Steve Reich annehmen und seine Werke in ein clubtaugliches Gewand pressen. Der Minimal-Pionier stellte bereits vor über 50 Jahren die Musikwelt auf den Kopf, indem er eine völlig neue, bis dahin ungehörte Form von Musik heranzüchtete. Ohne seine Impulse würde der Sound von Sufjan Stevens, Brian Eno oder eben Kiasmos nicht so klingen wie er klingt.
Es verspricht also spannend zu werden: Wie sich die Hommage letzten Endes anhören wird, wissen bislang wohl nur Arnalds und Rasmussen selbst. Am 13. Mai steigt die Veranstaltung im ehrwürdigen Uebel & Gefährlich. Als Vorband wurden übrigens die Jungs von MiNiM! Eingeladen – sie sind ebenfalls mit einem Steve-Reich-Gedächtnisset am Start. (dar)