Ihr kennt diese abgedroschene Phrase, von Dingen die besser werden, je älter sie werden. Die gilt für Kissin Dynamite nicht. Die waren nämlich bereits 2008 auf ihrem Debüt-Album “Steel Of Swabia” schon so verdammt stark mit ihrem musikalisch hochklassigen und perfekt inszenierten Schwanz-Hardrock, dass man jetzt nicht ernsthaft von einer deutlichen Steigerung reden darf, ohne die vorigen vier Alben zu deklassieren. Obwohl die fünf Jungs aus Schwaben mit ihrem fünften Longplayer “Generation Goodbye” ein weiteres Mal die maximal mögliche Schippe drauf gelegt haben. Das Teil erscheint just heute und hat den Album-der-Woche-Status mehr als verdient.
Eine weitere abgedroschene Phrase ist: “Die Band hat dieses Mal die Produktion komplett selbst übernommen”. Tja, ist aber halt wahr und geschadet hat es absolut nicht. Der Sound hat Druck und Feuer und passt zum Gefühl der Songs wie die Kappe auf die Haarsprayflasche. Hat er gut gedrechselt, der Hannes Braun (Vocals) am Mischpult. Aber die Band geht sogar noch weiter: Management, Merch, PR, jeder Aspekt des Bandgeschäfts liegt seit einiger Zeit in der Hand der Band selbst. Das ist sehr respektabel, aber wirft immer die Frage auf: Wie schaffen die es, bei dem ganzen Bürokram eigentlich noch so viel oldschool Hardrock-Lifestyle durchzuziehen, wie nötig ist, um eine Serie von elf derart guten Songs rauszuhauen? Oder ist es am Ende gar ausschließlich das Talent, das die Musik erschafft und das ganze Koks-und-Nutten-Gedöhns ist nur zum Spaß? Das wäre ja was.
Apropos Lifestyle: Das Konzept des neuesten Kissin Dynamite Albums dreht sich um eine junge Generation im Aufbruch, die das Potenzial hat, etwas zu verändern. “Generation Goodbye” ist sodenn auch der perfekte Opener-Track, denn er lässt Großes ahnen, aber er ist auch nicht der beste Track der Platte. Das Cover ziert ein angenehm kaputtes Smartphone, hergeleitet aus dem zweiten Track – der gleichzeitig die erste Singleauskopplung ist – “Hashtag Your Life”. Der geht hart mit dem Zustand des an-der-Hand-festgewachsenen Handys ins Gericht. Beim dritten Track “If Clocks Were Running Backwards”, einer perfekten Hardrock-Ballade mit Windmaschine-im-Video-Appeal, erhärtet sich langsam der Eindruck, dass die Band musikalisch und menschlich erwachsen ist. Das liegt nicht nur an der Stimme von Hannes, die sich acht Jahre nach dem Debüt jetzt aus der Ecke “talentierter Schüler” in Richtung früher John Bon Jovi verschoben hat. Das liegt auch am absolut geschliffenen Songwriting und der perfekten Dramaturgie des Albums. Nach dem Windmaschinenalarm wird jetzt erstmal drei Songs lang richtig Gas gegeben und man verliebt sich zum ersten Mal in das Album. “Masterpiece” in der Mitte ist dann wohl die Halbzeitpause, die der Fan braucht, um sich wieder richtig auf die zweite Halbzeit zu freuen. Ab “Flying Colours” hat es sich dann mit der ersten Verliebtheit. Danach will man das Album heiraten: Die letzten vier Songs sind das grandiose Finale eines bis dorthin schon sehr guten Albums. Man will nicht dass es aufhört, doch es lässt einen mit dem epischen “Utopia” gnadenlos alleine stehen. Immerhin: Echte Liebe hält für immer und “Generation Goodbye” hat das Potenzial, es seinem Besitzer auch in 20 Jahren noch richtig zu besorgen.
Am 22. Oktober präsentieren wir euch Kissin Dynamite live im Knust. Vorher erstmal die beiden aktuellen Singleauskopplungen hier. (df)
Kissin’ Dynamite – Hashtag Your Life:
Kissin’ Dynamite – If Clocks Were Running Backwards:
