“Du kannst mich noch so oft besuchen. Ich mach‘ dir trotzdem nicht mehr auf …” Stephan Sulke linst auf “Liebe ist nichts für Anfänger” nicht nur durch die verriegelte Haustüre, sondern wirft kurz darauf auch noch mit abgemähten Gräsern aus dem Vorgarten. Viele Jahre nach der Uschi und dem Quatsch. Viele Jahre nach dem einen, redundanten Thema, das es mal erfolgreich in die Dieter Thomas Heck-Parade schaffte. Heute residiert der Schweizer Liedermacher Sulke beim Staatsakt-Label (!) und klingt, als lägen zwischen dem Uschi-Tonträger “Stephan Sulke 6” und “Liebe ist nichts für Anfänger” nicht wirklich fünfundzwanzig Jahre.
Immer noch den Kopf leicht gekippt, das Ohr ganz nahe an den Schienen der Geschichten. Und noch ein bisschen näher an vielen von den noch mehr fremden Dingen in uns selbst. Klasse, wie die scheinbar ausgeglichene Sanftheit Sulkes sich Wege bricht, die auf Titel hören wie “Dämlich, wie ein Kalb”. Oder erlebt nur die latent altersmilde Protest-Adaption “Eu-Ro-Pa”, für die Geier Sturzflug wahrscheinlich seinerzeit 1982 getötet hätten. Volle Anzahl Extrapunkte übrigens nicht nur hier für die herrlich aberwitzig langen Fade-Outs. Und immer noch variiert der Schweizer mit seinem Gesang, der noch eben streicheln, dann schon wieder gemeine Schnuten ziehen kann. Zugegeben: Ü60-Stücke wie “Edelmetallalter” hätte man auf einer Staatsakt-Platte bis dato auch nicht erwartet. Schreit aber nach einem dringenden und unmöglichen Duett mit der viel zu früh verstorbenen Hanne Haller und dem immens lebendigen Andreas Dorau von heute. (R)eingeschenkte Weingläser und andere Blödeleien runden später das Gesamtbild ab. Und: “Liebe ist nichts für Anfänger” auf “Ich bleibe länger” zu reimen, das soll Stephan Sulke auch erstmal jemand nachmachen. Stark. Das Album gibt es hier, Tourdaten folgen. (kel)
