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Unmöglich: Nisse trifft Bill Kaulitz

„Unmöglich“. Wer sich diesem Hamburger annimmt, muss schon starke Nerven haben. So schnell wie „Ciao“ die ersten Töne erklingen lässt, stoppt „Ciao“ auch wieder. Eigenwillig tanzt die neue Platte aus der Reihe. Ganz im Sinne ihrer Zweideutigkeit.

Erst beim zweiten Anlauf, der die Aggressivität im Bauch mit sich bringt, trifft Nisse genau diesen sensiblen Fleck. Im Vergleich zu dem massenkompatiblen Vorgänger „August“ wirken die neuen Songs kontrastreicher und verworrener, angeführt von dem Kinski Feature „Twitter Weltkrieg“, dem Elektro-Rap „Merkursonne“ oder „Delfin“. Gerade letzterer braucht etwas länger, um dessen Tiefe gründlich zu erfassen. Der leicht wirkende Refrain führt einen nur abseits des schwierigen Pfades, auf dem Nisse von seiner Begegnung mit einer Prostituierten erzählt und dessen gesetztes Leben im Kiez Bordell. Dagegen erklingt die Wirtschaftswunder-Schlagerwelt-NDW-Reminiszenz „Taxi“ fast schon reduziert, mit der Hommage an die deutschen Lieder der späten 80er.

Mit seinen groovy Beats und den elektrischen Stimmvariationen verbindet er auf seinem zweiten Album nicht nur viele verschiedene Stile, sondern präsentiert auch einmal mehr, dass sein musikalisches Herz anders tickt. Sein Gesangs- und Rapstil ist perkussiv. Jedes Wort wird phrasiert. Grenzen sind nur im Kopf und bieten abseits der Norm eine wahre Spielwiese, auf der man sich direkt mit austoben will. Es ist eben nur unmöglich woran man nicht glaubt. Trotz dieser Haltung überrascht das Feature mit Bill Kaulitz in „Vogel aus Gold“. Abgesehen davon, dass der Tokio Hotel Frontmann sogar nach Jahren wieder auf deutsch singt, hätte man ihn als letztes an der Seite von Nisse erwartet. Gerade durch seine Protesthaltung. Besonders „Allergisch“ sticht als eine der stärksten Nummer heraus, mit der er sich klar gegen den Rechtsdruck in Deutschland positioniert.

„Jeder, der eine Reichweite hat, sollte diese nutzen, um sich zu positionieren. Alle großen Stars haben dies getan: Michael Jackson schrieb ‘Heal the World’, um die Welt auf die Hungersnot in Afrika aufmerksam zu machen, und hierzulande haben sich Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Westernhagen und Peter Maffay stets unmissverständlich gegen Rechts gestellt.“, so Nisse.

Der Unmöglichkeit sind keine Grenzen gesetzt und damit sagen wir: Geiles Album! Am 29. November findet dann auch endlich die langersehnte Hamburg Show im Uebel & Gefährlich statt. Wir präsentieren nicht nur, sondern geben euch auch eine ausdrückliche Empfehlung! (tki)