Ein viertel Jahrhundert tragen sie jetzt schon auf dem Buckel. Und ihr Supersonic Speed ist längst nicht aufgebraucht. Zum 25-jährigen ging es in hochkarätiger unplugged Formation in das Gruenspan. Vor der Bühne wirkte der ein oder andere alte Die Happy-Hase zwar eher überrascht von den sanfteren Tönen, aber nach so vielen Jahren muss man eben nicht immer die gewohnte Rockshow bieten. Seit ihrer unplugged Tour 2007 wissen wir, eine ihrer größten Stärken ist, unplugged gewohnte Muster loszulassen und jedem Song seinen ganz eigenen Sound zu verleihen. Mega Jubiläum! Auf dass sie nicht nur die Silberne, sondern irgendwann auch die Goldene Hochzeit feiern werden. Vor der Show trafen wir Frontfrau Marta und Bassist Ralph und fragten mal nach, wie es sich so lange überhaupt aushält.

25 Jahre. Quasi Silberhochzeit. Wie viele Konzerte habt ihr grob überschlagen gespielt?
Marta: 1.200. Wir haben in Ulm ja das 1.000 Konzert gefeiert. Und seitdem haben wir nur 200 Konzerte gespielt. Ich bin Mama geworden, wohne in Prag und die Wege sind zum Teil auseinander gegangen. Zwar nicht ganz, aber wenn eine Mama ihr einziges Baby bekommt, hat sie nicht unbedingt Lust auf Tour zu gehen. Also wir haben so eine Die Happy Pause eingelegt und wirklich nur unsere Weihnachtstour und ein paar Festivals gespielt. Es war mal wieder Zeit für persönliche Sachen.

Schlimmster Fauxpas auf der Bühne?
Ralph: Da gibt es einige.
Marta: Als wir als Vorband von Pink gespielt haben, bin ich direkt beim ersten Lied in das Schlagzeug reingefallen. Das würde mir nichts ausmachen, wenn es beim achten Lied gewesen wäre, aber beim Ersten war das echt doof. Aber ich habe gelacht und weiter gesungen. Das fanden die Leute sympathisch. Durch das darauf aufmerksam machen überspielt man sowas am besten.

Was glaubt ihr, warum Die Happy so gut funktioniert und nicht tot zu kriegen ist? 
Marta: Unser Rezept ist, dass wir eben auch als Freunde unterwegs sind. Es gibt viele Bands, die nicht mit ihrem eigenen Ego und dem der Anderen umgehen können. Die halten das lange Miteinander nicht aus. Ich glaube, das ist oft das Problem. Wenn im Radio ältere Bands laufen, hatten die meistens nur ein oder zwei Platten und haben sich dann getrennt, obwohl sie mega berühmt waren. Erst vorgestern habe ich darüber nachgedacht. Man muss lernen mit den Fehlern der Anderen umzugehen und diese zu verstehen. Das ist wie in einer Beziehung.
Ralph: Wir haben uns ja eben nicht nur zum Musik machen getroffen, sondern wir haben zusammen gelebt und das ist glaub ich was Die Happy über die Jahre immer so ausgemacht hat. Zu dieser Tour habe ich ein Fotoalbum gemacht, 25 Jahre in Bildern. Da sind einem diese letzten Jahre nochmal bewusst geworden. Es ist schon krass, wie viel Zeit wir miteinander verbracht haben. Man hat unglaublich viel erlebt, Erfolge und Misserfolge.

Gibt es irgendwas das euch richtig auf den Zeiger geht an den Anderen?
Marta: Natürlich gibt es viele Sachen. Aber das ist jetzt zu persönlich, das würde ich auch meinem Mann nicht erzählen. Wir haben alle irgendwelche Fehler. Ich glaube, der Einzige, der immer funktioniert ist Thorsten, aber auch der kann einem damit auf den Sack gehen.

Gab es irgendwann den Punkt an dem eine Trennung in Frage gekommen wäre?
Marta: Das war letztes Jahr, wo wir wirklich dachten, unsere Leben sind jetzt so weit auseinander gegangen, vielleicht wäre es besser, wenn wir es einfach lassen würden. Dadurch dass jeder sein eigenes Leben lebt, ist Die Happy mehr zum Hobby geworden. Aber dann waren wir zusammen auf der Weihnachtstour und haben uns gedacht, warum sollten wir das tun. Auch wenn das ein Hobby bleibt, ist das doch angenehm.
Ralph: Das Musik machen auf der Bühne, ist das was uns auch immer am stärksten macht, das hat dann auch dazu beigetragen, dass wir gesagt haben, wir müssen nächstes Jahr noch irgendwie den 25 jährigen Geburtstag feiern. Wie es jetzt nächstes Jahr weitergeht, wissen wir noch nicht genau.

Gibt es Bandrituale?
Marta: Wir nehmen uns immer vor der Show in den Arm. Und ich sage dann immer noch etwas intelligentes, wie dass die Anderen nicht darauf hinzuweisen haben, wenn jemand einen Fehler macht.
Ralph: Ja genau. Früher haben wir uns mal gedacht, dass wir uns eine halbe Stunde bevor die Show los geht im Backstage treffen und das nochmal durchgehen und so. Nach der Zeit reduziert man das auf die drei Minuten vor der Show.

Wie würdet ihr eure Entwicklung innerhalb der 14 Alben beschreiben?
Ralph: Das ist echt schwierig. Einen roten Faden von Anfang bis Ende gab es ja nie. Ein Album ist immer eine Momentaufnahme. Man macht immer das wonach man sich fühlt. Wahrscheinlich ist “No Nuts No Glory” das außergewöhnlichste Album gewesen. Zu der Zeit haben wir alle Ulm verlassen und ein Großteil der Band ist nach Berlin gezogen. Da hat man dann einen ganz anderen Vibe mitgekriegt. Ich weiß gar nicht, ob wir uns musikalisch mit den Songs so krass weiterentwickelt haben. Wir haben immer wieder Dinge ausprobiert und hatten großen Spaß daran. Es gibt, glaub ich, einen Die Happy Sound, sprich man geht da musikalisch auch nicht zu weit weg. Vor allem bei den Rockshows bleibt man schon bei dem was die Band ausmacht. Wenn wir akustisch spielen, lassen wir das zum Beispiel völlig los.

Wie lange habt ihr gebraucht bis ihr euren musikalischen Stil gefunden habt?
Ralph: Den gab es schon beim ersten Album.
Marta: Es gibt uns 25 Jahre. In dieser Besetzung ungefähr 20 Jahre. Und wenn vier Menschen die gleiche Suppe kochen, ist mal die Koriander Zeit, dann kommt mehr das Orientalische, danach geht es mehr in das Westliche und irgendwann reduziert man das auf die vegane Suppe. Trotzdem behält sie immer den gleichen Beigeschmack, weil es die vier gleichen Köche kochen.

Ist ein neues Album in Planung?
Marta: Ein paar Lieder gibt es schon, aber je älter man wird, desto schwieriger ist es einen gemeinsamen Nenner zu finden. Jeder will seinen Kopf durchsetzen und dadurch, dass ich jetzt meine eigenen Lieder in Prag schreibe, möchte ich auch mehr reinquatschen.
Ralph: Wir werden kein neues Album ankündigen, aber es kann immer passieren. Heutzutage muss man ja auch gar nicht mehr zwangsläufig ein ganzes Album veröffentlichen, es reicht ja auch, wenn man nur einen Song veröffentlicht.

Wer trägt welche Aufgaben in der Band? Ich habe z.B. gehört, dass Thorsten sogar eine Strichliste führt, wie viele Konzerte ihr spielt.
Marta: Nicht nur das. Thorsten organisiert und kümmert sich um alles. Er ist the Brain irgendwie.
Ralph: Thorsten hat auch den intensivsten Kontakt zu unserem Management und früher zu den Plattenfirmen gehabt.
Marta: Und wenn wir auf Tour gehen, läuft alles unter seinen Fingern durch.
Ralph: Einfach ein Wahnsinnsorganisator.
Marta: Ich bin die Sängerin, singe auf der Bühne und mache die Leute irgendwie glücklich. Ralph macht das Merchandise, kümmert sich um die T-shirts und das Visuelle der Band. Und Jürgen, was macht der eigentlich?
Ralph: Der versucht gerade diesen Zauberwürfel hinzukriegen.

Was für Projekten geht jeder von euch außerhalb der Band nach?
Ralph: Unabhängig von Die Happy machen wir das, was wir in der Band auch am besten können. Marta singt, komponiert und ist Popstar in Tschechien. Vor kurzem hat sie ihr Soloalbum dort veröffentlicht. Ich habe noch eine Grafikagentur mit zwei Freunden zusammen. Jürgen spielt Schlagzeug für unterschiedliche Musiker. Seit sechs Jahren spielen Jürgen und ich auch schon bei Andreas Bourani. Thorsten ist da auch als Tourmanager dabei, weil er eben so ein Organisationstalent ist. Sprich wir drei Jungs haben uns die letzten Jahre, obwohl wir mit Die Happy nicht unterwegs waren, auch ganz arg oft gesehen.

Wird es auch die Goldene Hochzeit geben oder steht das eher in den Sternen?
Marta: Alles steht in den Sternen! Du kannst planen was du willst, was daraus wird bleibt offen. So mögen wir das. Wir haben gemerkt, wenn uns jemand da rein redet, dann funktioniert das nicht.
Ralph: Darf ich auch eine Frage stellen? Marta, würdest du die letzten 25 Jahre nochmal erleben wollen?
Marta: Ja. Ja, wirklich! Das war eine geile Zeit.
Ralph: Ich glaube, die Frage beantworten wir uns alle mit ja. Und das ist geil.

Interview: Tanja Kilian

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