Ob es ein Leben nach dem Tod im Himmel wirklich gibt, wissen wir nicht. Was wir aber durch Enno Bunger gelernt haben, Oma würde es durch ihre Höhenangst dort oben niemals aushalten und spätesten beim ersten Regen wohl runter fallen (“Weichzeichnungsfilter”).

Man will Rotz und Wasser heulen und gleichzeitig entlockt Enno einem, trotz berührender Schicksalsschläge, immer wieder ein Schmunzeln. In einem breit gefächerten Potpourri aus Indie- und Brit-Pop widmet sich “Was berührt das bleibt” diesen Scheißmomenten, die einem aus dem Nichts die Beine wegreißen. Wie fühlt sich dieser Spannungszustand an, wenn der Krebs das Leben der eigenen Freundin bestimmt und Leukämie das Dasein einer Anderen viel zu früh auslöscht? Was passiert, wenn man durch die Sprachlosigkeit über all die Geschehnisse den “Glaube an die Welt” verliert? Auf seinem letzten Album “Flüssiges Glück” tobte er sich noch gesellschaftskritisch aus, auf dieser Platte findet sich kaum Platz um nach links und rechts zu schauen. Viel mehr taucht er tief in die Trauer ein und zu seinem Innersten durch, geprägt und durchflutet von diesem unfassbarem Schmerz, der eben teils sogar im letzten Atemzug mündet. Doch hier wird keinesfalls aufgegeben. Auch der Tod ist hierfür kein triftiges Argument. Stattdessen wird in “Stark sein” hart gekämpft sowie intensiver und bewusster denn je gelebt. Und sich beim Abschied in mitten von “Konfetti” hochachtungsvoll verneigt.

„Ich hätte in dieser Phase eigentlich dringend einen Psychotherapeuten aufsuchen müssen“ , sagt Enno Bunger , „aber ich wollte mich durch das Schreiben selbst therapieren. So können aus den traurigsten Anlässen die berührendsten Lieder entstehen. Die größte Scheiße, durch die man gehen muss, kann der beste Dünger für berührende Kunst sein.“

Durch genau diese Selbsttherapie ist ein ausdrucksstarkes und mutiges Konzept Album entstanden, das durch seine Tiefgründigkeit und seinen Fokus auf Krankheit, Schmerz und den Verlust zwar eher härtere Kost ist und so auf ein Sparten Album schließen lässt, doch hier wird eben nicht nur geheult oder auf Wunder gehofft. Hier wird der Moment ausgekostet, der Trauer Anerkennung geschenkt und eben selbst gekämpft, um nicht morgen sich selbst oder andere für das verpasste und tatenlose Gestern zu verurteilen. Am 30. Juli präsentieren wir euch Enno Bunger mit einer geballten Ladung seiner neuen emotionalen Werke auf dem Lattenplatz vorm Knust. Am 18. Oktober folgt dann die eigene Tour bei uns in der Großen Freiheit 36. (tki)

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