Ein bisschen kurzfristig war die Entscheidung zugegeben schon. Doch heute steht der 20. September auf dem Kalenderblatt und die siebenteilige Tomte-EP „In Schwarz“ (Eigenvertrieb via Norden der Welt-Records) liegt zwischen meinen gleichwohl nervösen wie dreckigen Fingerspitzen. Wurde ja auch höchste Eisenbahn. Weil: Dennis Becker vom Bass bei Leslie Clio wegzulasern soll ja auch erst einmal  einem Thees Uhlmann gelingen.

Apropos gelungen: Wer seinen zweiten und auf Gitarrenklängen wie aus Resten der Berliner Mauer entstandenen Titel gleich mit „Definitiv vielleicht“ überschreibt. Wer in den letzten Takten keinen Reim auf Manchester findet und ein Fade Out von hier bis zur Elbmündung zulässt, muss mit der Einschränkung klarkommen, dass das überragende instrumentale Intro „Weine im Weltall“ viel zu schnell im kühlen Schatten liegt.

Aber sei‘s drum: „Bornheimer Hang“ feiert Hemmoorsche Sozialromantik durch alle Tiefen des Raumes, fast so als ob Carsten Ramelow immer noch im Mittelfeld die Fäden zieht. Jetzt Quoten-Ballade gefällig? „Die Romantik ist hier schon lange nicht mehr Zuhause“ erzählt im minimalistischen Band-Arrangement Kurzgeschichten aus verschiedenen Hamburger Schulhofkulissen. Mit dem wütenden „Mode oder Kokain“ gelingt Tomte eine Punkrock-Blutgrätsche direkt zwischen die Wadenbeine des Hochglanzjournalismus. Wohlgemerkt inmitten einer ansonsten ordentlich abgehangenen Indierocker-Attitüde am Stil. Ausgeblichene Jeansjacken inklusive. „Cuxtrott“ twistet dann noch latent träge auf halber Strecke zwischen Ebbe und Flut bevor das finale „Pasta durch (Die Rille danach)“ der Erfindung eines kleinen Metallstiftes huldigt, um den sich das Vinyl seit gefühlten hunderten Jahren schon dreht. Alles gesagt. Tomte| 30. Februar 2020 im Heureka (concert-news präsentiert). (kel)

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