Dritte Reihe im Innenraum. Auf der Bühne ein silbern überzogener Flügel und im Hintergrund schon vor dem ersten Ton der Dieter in mindestens doppelter Überlebensgröße. Zweieinhalbstunden würde die Show dauern, raunt man sich in gut unterrichteten Kreisen zu. Und wenig überraschend rechts und links von mir Stammgastalarm aus dem Molotow, der Elbphilharmonie und so noch ein paar Hamburger Kulturstätten. Ein paar mutige Gäste tragen Rolling Stones-Jacken, nur an die „Meeganer-Shirts“ vom Merchandise traut sich gefühlt niemand heran. Machen wir es aber kurz: Diese Dieter Bohlen-Ego-Shooter-Show war zwar zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd herzlich, dafür umso kurzweiliger inmitten ihrer irgendwie auch flüssigen Monotonie.

Kollege L. fühlt sich zu einem späteren Zeitpunkt zwar wie am „Ground Zero des Pop“ stehend, doch die Faszination, die solche Statements im Subtext tragen, kann auch er nicht erfolgreich verhehlen. Dass sich DB in der Garderobe für dezente Maske und umso dickere Hose entscheidet, bleibt erwartbare Geschmacksache. Die von Bohlen zum Allerwertesten gegebenen Geschichten aus unzähligen Jahren touchieren derweil nie den drohenden Anwaltskostenrechner. „Bohlen spielt: Bohlen“ wird am nächsten Tag im Hamburger Abendblatt stehen. Zu diesem Arrangement gehören auch Bandmusiker aus dem legendären Camp David, der sehr laute Bruce Darnell-Kurzbesuch auf Dieters Steg, sowie ein Schnellkocher-Springinsfeld als Bohlens Sidekick.

Und wenn DB mit etwas auf ganzer Publikums-Kokslinie landen kann, dann mit dem authentischen Trashfaktor seiner eigenen Gesamthistorie. Die ganz hohen Töne sollen doch andere bitteschön treffen. Das hier ist unterhaltsam auf höchst … unterschiedlichem Niveau. Getanzt wird jedenfalls fast durchgehend bis in die letzten Reihen. Und wäre der leibhaftige Chris Norman in der zweiten Strophe von „Midnight Lady“ auf die Bühne spaziert gekommen, die Barclaycard Arena hätte in ihren Fundamenten Erschütterung erfahren. Auch in dieser Hinsicht war das alles tatsächlich in guten, wie in schlechten Zeiten ziemlich nahe am Ground Zero des Pop. (kel)

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