Pausenzeichen: Tales From The Loop

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Hat schon mal jemand an einem Konzertfreien Abend und im Besitz eines Baggergerätes unterhalb von Hamburg nachgeschaut ? So wie früher heimlich unter dem eigenen Bettgestell nach Geistern? Was da so los ist: Ah, DESY. Ah, Energien. Ah, sehr viele sogar. Das Äquivalent für Video und Plattenteller ist via retrofuturistischer Parallelwelt auch schon eingetroffen: „Tales From The Loop“. Stålenhags bebilderte Romane haben ja längst nicht nur die Serienproduzenten zu Höchstleistungen animiert, sondern auch Paul-Leonard-Morgan und den gänzlich zeitlosen Philip Glass zu einem Filmmusik-Abenteuer, das in seiner puristischen Form und Eleganz jene Serien-Visualisierung umschmeichelt, deren Wucht von keiner Erklärbärin dieser (einen?) Welt auch nur annähernd in wenigen Zeilen zusammengefasst sein könnte. Vielleicht nicht einmal in vielen.

Bis dahin wort- und fassungslos zu bestaunen: Fußbälle die es gefühlt so nie gab, Science-Fiction-Formate in Gewand und Kulisse gediegener Schrottvehikel wie dem Bodenkontaktbefreiten Trecker und andere mysteriöse Objekte, deren Verknüpfung mit konkreten Dekaden mitunter leicht verschwommene Interpretationen erzeugt. Wenn den Job nicht gerade eh schon Jonathan Pryce als Role Model übernimmt, könnten auch Jules Verne und Jodie Foster als verliebtes Pärchen um die Ecke geschlendert kommen. Von all den Streicher- und Klaviertönen weiß man derweil nie so ganz genau welche jetzt unter der Erde in jener hermetisch abgeriegelten Forschungsstation und welche unter freiem Himmel erzeugt sein könnten. Oder welche Elemente aus den dreißig Soundtrack-Fragmenten schon längst untereinander Körper, Geist, Seele oder gleich alles im Hamsterpack getauscht haben. Und welche davon perspektivisch auf der Strecke geblieben sein könnten. Hä? Zeiten und (T)räume halt.

Unwirklichkeiten, bizarre Begegnungen, ein gigantischer Beschleuniger von Teilchen unter der Erde, der eine noch viel umfassendere Entschleunigung über ihr bewirkt. Oder doch umgekehrt? Morgan und Glass am Unterdruckschalter für die Begleitmusik ist es vorbehalten für einzigartige Kontinuität in Form vollendeter Signaturen zu sorgen. Ob das alles einen Konzertabend ersetzt? Eine der acht „Tales From The Loop“-Folgen versucht sich an diesem Antwortdialog: „Die haben vielleicht eine Parallelwelt erschaffen.“ | „Für mich klingt das sehr plausibel.“ | „Ergibt jedenfalls Sinn – etwas“. Wir können ja einfach alle gleich mal anfangen selbst zu graben. (kel)

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