Benötigt noch jemand Plätze im Schatten? Wem die sonnige Gesamtlage zu wenig auf das Gemüt drückt, findet bei Joan As Police Woman das eine oder andere kühle Lüftchen auf „Cover Two“ (erschien vergangenen Freitag). Das beginnt schon beim glücklicherweise nur voreilig-impulsiven  Kopfschütteln ob der nächsten Prince-Adaption des durchgenudelten „Kiss“-Klassikers. Kann das, darf das? Ja, das muss sogar so. Und das meiste kommt sogar noch viel besser. Im Schnelldurchgang in etwa so:

Joan As Police Woman gelingt im Doppel mit Meshell Ndegeocello eine fast epische Zeitloopenschleife über Outcasts „Spread“. Die Strokes finden sich auf „Under Control“ in einer tiefen R&B-Lache wieder. Inklusive Brian May-Gedächtnisgitarre, wie die Musikpolizistin sinngemäß und süffisant bemerkt. Lodernder Ambivalenz lieber mit Schwere statt Lässigkeit bekämpfen? Bitte: Im Falle von Cass McCombs‘ „Not The Way“ lässt sich naturgemäß nicht vom Zauber des Originals ablenken, bemerkenswert bleibt die Interpretation allemal. Umso leichter fällt es, auf den Hochglanz in Michael McDonalds „Keep Forgetting“ zu verzichten und mit Joan As Police Woman direkt im Wundsekret zu rühren.

Doch das alles zusammen ist nur Vorspiel für die schönste denkbare „Life‘s What You Make It“-Verneigung. Man möchte das überragende Talk Talk-Original und seine beklemmend gute Fälschung zu einem endlosen 12“-Eternity-Mix verschmelzen. Joan Wasser und Mark Hollis und schon wieder Trauer. Rest vom Schützenfest: Blur stolpern in eine Pianobar irgendwo im Souterrain deines Viertels, Neil Young- und Gil Scott-Heron-Cover können gelingen und auf dem Grease-Soundtrack gab es vereinzelt auch starke Musik. Joan As Police Woman | 27. Mai | Elbphilharmonie (verlegt auf ein unbekanntes Datum) (kel)

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