Der Tod ist gerade in Zeiten der Pandemie ein gängiger Begleiter, auch wenn wir ihn nach wie vor etwas stiefmütterlich wahrnehmen, weil das ja eher andere Länder primär was angeht. Doch sind wir mal ehrlich, trauern kennt jeder, wie Nicholas Müller sagt, ein ganz natürlicher Prozess. Recht hat er und trotzdem hat es ihn fast den Kopf gekostet, weil er zu schnell wieder stark sein wollte. Also wieso um Himmelswillen können wir so schlecht mit dieser indiskutablen Gewissheit umgehen, während sich manch einer den selbstbestimmten Tod als letzten Retter herbeizieht? Die Traurigkeit lässt sich nicht leugnen – dass der Tod aber viele schöne Momente nochmal an die Oberfläche bringt auch nicht. Doch wieso lassen wir diese so selten zu und tunken unser buntes Momentum in tiefstes Schwarz?

Im Rahmen von „Zum Sterben zu viel – Ein Abend mit dem Tod…“ wird Nicholas Müller auf Lesetour gehen, um dem Tod eine Bühne zu bieten und der Frage auf den Grund zu gehen, wieso der Mexikanische Totenkult zum Tanzen einlädt und wir hierzulande schwärzer als schwarz unsere Maria grüßen. Drücken wir die Daumen, dass am 26. August das Imperial Theater die Pforten öffnen darf und wir im kleinen Kreise nicht nur das Gespräch dazu suchen können, sondern auch dem ein oder anderen Song über den Tod lauschen dürfen.

Bist du Theoretiker und Praktiker?
Uha, ich finde es ganz oft gut, Dinge einfach anzupacken und zu machen. In ganz vielen Dingen ergehe ich mich aber auch in der Theorie, plane viel und kann echt viel Zeit damit verbringen, so Gedankenkonstrukte zu entwickeln. Oft werden Dinge so ein bisschen zum Rohrkrepierer, denn am Ende läuft es doch immer darauf hinaus, dass ich dreiviertel davon dann nicht mache. Wenn so ein Impuls nicht funktioniert hat, dann ist das für mich kein Scheitern, dann ist das einfach eine Aufforderung zu einem neuen Impuls. Also eine Entwederundentscheidung.

Stichwort Kontrolle. Wie weit bist du mittlerweile mit der Aufstellung deiner Formel gekommen, um das Leben zu berechnen?
Hehe, ja keinen Schritt weiter, ehrlich gesagt. Aber ich bin mit mir selbst weitergekommen und habe herausgefunden, dass ich sehr gut damit klar komme jeden Tag irgendwie anders zu begegnen ohne die Kontrolle über alles haben zu wollen. Ehrlich gesagt würde ich mir aber immer noch wünschen, gerade, in Zeiten wie diesen, zu wissen, dass alle zu jedem Zeitpunkt immer überall gesund und fit Zuhause sind. Jetzt weiß ich aber, dass ich nicht jedem so ein GPS-Tracker anhängen kann. Selbst wenn, wüsste ich nicht, ob jemand vielleicht tot mit dem GPS-Tracker hinterm Zaun liegt. Und von daher bin ich für mich selbst an den Punkt angekommen, an dem Kontrolle gar nicht mehr das Allerwichtigste ist. Ich finde Zufriedenheit ist das Allerwichtigste und das hat ganz oft ganz wenig mit Kontrolle, sondern viel mehr mit dem Moment, dass mir Morgen nicht egal ist, aber auch lange nicht mehr so wichtig wie früher.

Was war deine absurdeste Auseinandersetzung mit dem Tod?
Ein Freund von mir hat mal seinen Abschiedsbrief via Instagram veröffentlicht. Da stand drin, dass er sich jetzt umbringen möchte, es ihm leidtäte, aber er einfach nicht mehr weiterkommen würde. Daraufhin habe ich bei der Polizei angerufen und die zu ihm geschickt. Der ist dreimal aus der Geschlossenen abgehauen und nach einer stadtweiten Fahndung kam es irgendwann wieder zu einer Zwangseinweisung. Da hat er dann plötzlich Rohrreiniger gesoffen, weiß der Geier wo er den her hatte, aber er hat da vor Ort dann versucht sich etwas Schreckliches anzutun und zwischen all diesen Stationen war ich irgendwie dabei. Nachts habe ich ihn einmal zur Notaufnahme begleitet, wo er mit einem Zugang im Arm dann auch später abgehauen ist. Das waren total unkontrollierbare Situationen, in denen mein Endgegner oder jedes Menschens Endgegner der Tod die ganze Zeit involviert war. Er hat sich am Ende nie umgebracht, wir haben stattdessen so ein Fatalismus entwickelt, das ist jetzt wieder so absurd, lass uns doch mal drüber lachen. Klar, ich hatte Sorge um ihn. Im Grunde genommen war das aber trotzdem ein gutes Gefühl in solchen krassen Situationen beisammen zu sitzen und zu merken, ey wir haben jetzt mal wieder zum fünften Mal in Folge innerhalb von drei Wochen den Tod gemeinsam besiegt. Du, lass uns doch darüber auch echt mal eine Runde glücklich sein.

Hast du generell mit Angst selbst noch zu kämpfen oder hast du sie mittlerweile besiegt?
Ich glaube ja, dass jeder Mensch mit Angst zu kämpfen haben sollte, weil es ein gesunder und natürlicher Reflex ist. Zwischendrin habe ich manchmal ganz kurze Phasen, wo ich merke, dass ich mich die Angst über 10 Jahre wirklich auf eine ganz pathologische und ekelhafte Art und Weise begleitet hat. Manchmal gibt es Extremsituationen, wo ich echt merke, oh fuck, mein Körper möchte jetzt gerne in die Panik und das macht er dann auch. All die körperlichen Symptome, die greifen dann immer noch, mein Herzschlag beschleunigt sich, ich fange an zu schwitzen, habe Schmerzen, aber mein Geist macht da nicht mehr mit. Ich habe gelernt und für mich selbst trainiert, das in all den über 1.000 Panikattacken, die ich hatte, nie irgendwas wirklich Schlimmes passiert ist und der Tod mich nie gekriegt hat. Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem ich all das als normal zu bewerten habe. Zwischendurch habe ich auch mal Schiss, manchmal geht mir der Arsch mächtig auf Grundeis, aber ich habe die Angst nicht mehr so wie früher.

Wie intensiv hat dich das Leben und die Erkenntnis dieses Angst-Phänomens in den letzten 10 Jahren gezeichnet?
Ich bin jetzt keiner von der Sorte, der sagt, guck das hatte alles einen Sinn, was ich dadurch alles machen konnte. Diese 10 Jahre würde ich immer noch wegtauschen, ich habe da überhaupt gar keinen Bock drauf gehabt und es war auch echt schrecklich zwischenzeitlich, aber ich habe für mich selbst so eine gesunde und wertschätzende Haltung zum Leben entwickelt, die daher kommt dass ich so oft gedacht habe ich würde mein Leben verlieren. Ich habe so viele wertvolle und tolle Gespräche geführt und Menschen kennengelernt und gemerkt wie man als Mensch mit und unter Menschen kommuniziert, wenn man sich einfach nicht dafür schämt das allzu Menschliches passiert und das hat einen riesigen Einfluss auf mein ganzes Leben. Mich kann fast nichts mehr schockieren.

Du sagtest mal “Es ist der Geist, der sich den Körper baut.” Jetzt wo dein Geist gesundet ist, wie stark hat dein Körper sich durch den wilden Trip verändert?
Och, ja ich habe halt in all den Jahren ganz ordentlich abgenommen. Das war aber ein ganz gesunder und wichtiger Schritt, weil ich vorher echt viel zu dick war und wahrscheinlich nicht wirklich alt geworden wäre, aber ich habe halt Bock richtig alt zu werden. Das war für mich so ein Teil der Selbstfürsorge. Ich rauche immer noch wie ein Schlot, von daher sieht meine Lunge wahrscheinlich nicht allzu geil aus. Aber ich achte auf jeden Fall mehr auf mich.
Ich kann vor die Tür gehen, ich habe keine Angst aufs Fahrrad zu steigen und drei Meter später mit einem Herzinfarkt runter zu kippen, weil ich mich ständig selbst überprüfe. Ich finde so einen Puls von 130 oder 140 manchmal sogar ganz erbaulich, weil ich dann merke, ey krass, mein Körper macht das ganz ohne Schwierigkeiten und hat sogar einen Gewinn dadurch, weil ich gerade jetzt echt was Gesundes für ihn tue. Auf der anderen Seite bin ich auch immer noch völlig schräg zusammengebaut, habe ein krummes Bein und einen kaputten Rücken. Und das wird sich wahrscheinlich nicht ändern. Da stimmt auch echt nix, mein rechtes Bein ist kürzer als das Linke, mein Fuß ist dafür etwas größer. Es geht ganz unten los und bis ganz oben, wo ich einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule hatte. Das ist echt alles bescheuert zusammengesetzt.

Hat sich mittlerweile dein Zeitgefühl eingependelt? Wie realistisch erlebst du mittlerweile einzelne Sequenzen, weil tatsächlich ist es ja so, dass gerade Angstpatienten eine Woche auch gerne mal als ein Jahr empfinden oder eine gefühlte Ewigkeit.
Es gibt wenig Dinge in dieser ganzen Gesundung, die sich besser anfühlen als die Tatsache, dass ich so eine einfache Sache wie die Relation zur Zeit mittlerweile echt auf die Kette kriege. Denn das war echt gruselig. Was ich immer noch nicht kann, ist die ganze Vergangenheit aufräumen, ich muss jedes Mal immer noch überlegen wann das überhaupt alles losging. Mittlerweile habe ich vieles so oft gesagt, dass ich zumindest weiß wann die ganzen Wegmarken waren, aber für mich selbst und für so Details muss ich echt immer wieder überlegen, gerade auch wie lange irgendwas gedauert hat. In meiner Erzählung habe ich manchmal ein Jahr lange irgendwo gewohnt, dabei waren es nur drei Monate.

Wie erklärst du dir, dass Mitteleuropa so große Berührungsängste mit dem Tod hat, obwohl der Tod eine indiskutable Gewissheit ist, während andere Kulturen (z.B. Mexiko) ihn gebürtig feiern?
Das hat für mich auf jeden Fall ganz viel mit Erziehung zu tun und mit dem Umfeld, in dem wir aufwachsen. Aber auch das Umfeld muss ja irgendwann mal auf diesen Trichter gekommen sein.
Ich glaube auch der handelsübliche Mexikaner ist traurig, wenn die Mama stirbt, der zeigt das nur auf eine andere Art und Weise, die wir hier vielleicht nicht verstehen. Ich habe mich viel mit dem mexikanischen Totenkult beschäftigt und auch mit den Staaten, wo die ganzen schwarzen Gemeinden zwar traurig sind aber trotzdem tanzen. Ich könnte das tatsächlich gar nicht. Das habe ich entweder nie gelernt oder der Teil in mir, der das könnte, hat es verlernt, weil ich einfach so lange mit dem schwarzen Tod konfrontiert war. Wenn irgendjemand stirbt, dann erzählen wir ja nicht die schönen Sachen, sondern setzen uns in die Kirche und murmeln irgendwie, gegrüßt seist du Maria, vor uns hin. Ich finde aber jeder muss das Recht haben so zu trauern, wie er es für richtig und wichtig hält. Und das habe ich für mich auch nie so wirklich zugelassen.
Für mich war Trauer in dieser kleinen erzkatholischen Eiffel Gemeinde halt immer eine wahnsinnig dunkle Veranstaltung. Es gab auch klare Geschlechterrollen, wie der Mann hat per Gesetz zwei Tage Urlaub und muss dann wieder arbeiten, die Frau hat aber gefälligst mindestens ein Jahr, wenn nicht sogar bis zum Ende ihres Lebens Trauer zu tragen und ist dann auch immer die Witwe. Das will mir alles nicht in den Kopf. Am Ende bin ich wirklich zu dem Schluss gekommen, dass wir es einfach so gelernt haben, dass das ein Heil unserer im Grunde christlichen Erziehung ist. Wobei das auch total konträr in diesem Bild von Jesus klingt, der für uns gestorben ist, damit es uns allen gut geht. Eigentlich müssten wir an Ostern ein Feuerwerk loslassen. Machen wir aber nicht.
Genau diese Überlegung, was macht eigentlich die Trauer für uns Mitteleuropäer so schwarz, war der Anlass überhaupt damit auf Tour zu gehen. Ehrlich gesagt habe ich selbst noch keine Antwort darauf. Ich bin guter Hoffnung, dass ich da auf der Tour echt noch viele interessante Gespräche dazu führen werde und für mich dann am Ende so ein Resümee ziehen kann.

Tod war ja auch Thema beim Schreiben mit anderen Künstlern, hier ist gerade der emotionale Zugang besonders wichtig. Wie schafft man es diesen bei sich selbst oder bei anderen effektiv zu nutzen?
Für mich selbst muss ich das gar nicht. Das ist so ein Ding, das eh ständig in mir prozessiert und vor sich hin macht. Und bei anderen habe ich die Erfahrung gemacht, dass man da mit einem wirklich ausführlichen Gespräch ganz viel bewirken kann.
Der Tod ist echt ein Tabuthema im deutschen Pop und wirklich eine schwierige Sache. Da gibt es ein paar Paradebeispiele, wie “Der Weg” von Grönemeyer und da hört es auch schon fast wieder auf.
Wenn aber dieser Gedanke im Künstler ist, dann hat das ja auch eine Berechtigung. Das macht eben keiner aus Kalkül, keiner setzt sich hin und denkt ich schreib jetzt mal ein Lied über den Tod, das wird auf jeden Fall ein Hit. Das ist nämlich sauschwierig. Und aus dieser Berechtigung heraus, ist ein Gespräch über den Tod oder über den Verstorbenen der Schlüssel dahin. Das ist ein ganz simples, sensibles Herangehen, das es da braucht, nämlich wir schreiben jetzt über den Tod, aber wir machen da keine reißerische Nummer draus und wir behandeln den Tod als auch die Toten total in Ehren. Im Inneren fühlt sich das wahnsinnig unnatürlich und scheiße an, aber in Wirklichkeit ist es das Natürlichste und das Einzige was wirklich jedem von uns passiert. Selbst eine Geburt kannst du ja planen, es gibt mittlerweile die Möglichkeit Menschen im Reagenzglas herzustellen, aber die sterben so wie alle anderen auch.

Wie stark spiel Intuition eine Rolle, um sich wirklich in die Menschen rein zu finden oder auch deren Knöpfe zu aktivieren?
Ja, ich glaube schon. Der Beruf des Texters ist ja, Gott sei Dank, noch relativ selten. Es gibt viel mehr Songwriter, die auf der musikalischen Ebene unterwegs sind. Ich glaube, dass wir da alle eines gemeinsam haben, nämlich dass wir alle echte Sensibelchen sind und auch einigermaßen schutzlos durchs Leben laufen. Da sind die meisten Kanäle offen und das wünsche ich mir ganz oft anders. Wenn du ständig mit offenen Antennen durch die Gegend läufst, ist das echt anstrengend, das führt schon mal dazu, dass man echt kein Bock mehr auf andere Menschen hat, weil das alles viel zu viel ist.

Bei dem aktuellen Album von Gil Ofarim hast du quasi die halbe Platte mitgeschrieben. Wie hast du den Prozess erlebt?
Oh, das war toll! Das wirkte für mich, wie so ein Moment des Aufräumens. Wir haben einen Song gemeinsam geschrieben, der Titelsong des Albums “Alles auf Hoffnung” und danach haben wir uns nochmal in Münster getroffen und da sind nochmal zwei Songs entstanden. “Pierrot” ist auf dem Album, ob ich jetzt beteiligt war oder nicht, für mich der schönste Song, den ich sogar selbst mitgenommen hätte. Das war spätestens der Moment, wo ich dachte, okay krass, wenn hier jemand sitzt, mit dem du irgendwie an einem Text mitschreibst, den du als Song selbst so vortragen würdest, dann muss es echt eine gute Kombi sein.
Ich musste auch erstmal schnallen, dass das nicht mehr der Kleine Gil Ofarim ist, der irgendwie 14 Jahre war, als ich 15 war und der mich damals tierisch genervt hat mit seinem „Round ‘n’ Round“. Ich war im Nachwuchs Punk in der Eifel, wie hätte ich das denn geil finden sollen?

Wofür schätzt du dich selbst am meisten?
Oha, ich glaube für die Fähigkeit, dass ich auch die absurdesten Dinge, solange sie niemand anderem Leid zufügen, mittlerweile immer respektiere und niemals verurteilen könnte.
Wenn mir selbst jemand mit Abschätzigkeit begegnet, das finde ich wahnsinnig eklig. Ich will immer, dass mir eine Chance gelassen wird, egal wie ich aussehe, ganz egal wie ich mich gebe. Und das habe ich selbst eine Zeit lang nicht gekonnt. Mittlerweile merke ich, dass das wirklich zur Bedingungslosigkeit geworden ist und das war ein Stück Arbeit, ein echt langer Prozess. Du beschließt ja nicht von heute auf morgen, jetzt alle Menschen gleich zu betrachten.
Es gibt aber auch die andere Seite, wenn Menschen wirklich scheiße gebaut haben. Manche Menschen, die haben sich selbst freiwillig an eine Stelle navigiert, wo man nicht mehr mit ihnen diskutieren muss. Die darf man auch einfach ohne Missions Gedanken echt scheiße finden. Das wirkt fast wie ein Pamphlet, aber alle Menschen, die in irgendeiner Form mit Ismen und solchen Phobien, wie Xenophobie oder so unterwegs sind, die werde ich dann wahrscheinlich einfach mal bis zum Ende ihres und meines Lebens scheiße finden.

Was würdest du deinem Zukunfts ICH sagen, wenn du 10 Jahre voraus denkst?
Wasch dir die Hände! (lacht) Naja, ich geh ja immer von so einem konstanten Wachsen aus, also so einem gesunden Wachsen. Ich glaube die Aussage: „Ey blick mal zurück und überleg mal, wie oft es wirklich schrecklich war und dann überleg dir jetzt mal, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es in Zukunft auch so bleibt.“ Das ist vielleicht ein merkwürdiger Rat, weil das klingt so ein bisschen nach naja, mal gucken, was kommt, aber was bleibt mir anderes übrig als das?

Aus Fehlern lernt man bekanntlich. In der Realität ist es allerdings immer so eine Sache und trifft nur auf die Wenigstens zu. Was glaubst du warum Menschen immer dieselben Fehler begehen?
Aus Unsicherheit. Am Ende läuft die Scheiße, die in der Welt passiert, immer darauf hinaus, dass der Antrieb dafür daraus entstanden ist, dass irgendjemand versucht hat, was zu seinem Vorteil zu tun. Aber Menschsein ist eben gar nicht so einfach. Man landet hier, man lernt wahnsinnig viel, um dann festzustellen: Mist, ich bin ja doch auf nichts so wirklich vorbereitet.
Und die großen globalen Fehler, die von Mensch zu Mensch weitergereicht werden, das ist glaube ich echt eine Frage von völlig überzogenem Opportunismus. Die Wurzel vieler Fehler liegt darin, dass man sich ständig selbst Druck schafft und man wird in so einen Druck gestoßen immer alles am besten zu machen. Aber es ist doch scheiße, wenn alle versuchen der Beste zu sein, na dann wird es ja niemals den Besten geben. Und den braucht es ja auch gar nicht.

„Zum Sterben zu viel – Ein Abend mit dem Tod…“ – Was dürfen wir von deinem neuen Konzeptkonzert erwarten?
Eine Kombination aus einer Menge Musik, Songs über den Tod, und mindestens zwei Talkgästen pro Abend. Für jede Stadt gibt es andere Gäste, mit denen ich mich unterhalte und ich schreibe für jeden Abend eine Kurzgeschichte, die ich vortrage. Dazwischen mache ich dann das, was ich irgendwie auch am liebsten mache, nämlich mich irgendwo hinstellen und erzählen. Das wird kein brutal schwarzer Abend, es wird keine Beerdigung, es wird keine Zeit zum Trauern, überhaupt nicht, aber auch nicht ausschließlich eine Zeit zum Lachen. Das schlägt in keine Richtung total aus, sondern wird einfach ein ganz menschlicher Abend zu einem Thema, das halt wahnsinnig natürlich ist. Wer da heulen möchte, der soll bitte heulen. Wer lachen möchte, auch an den deplatziertesten Stellen, weil er sich gerade nicht sicher ist ob er lieber heulen oder lachen möchte, der soll auch hier lachen. Das ist echt ein guter Weg für alle Anwesenden mit dem Thema mal für zwei Stunden umzugehen.

Interview: Tanja Kilian

Share.

Comments are closed.